Spitznamen
Von Schneckchen und Dr. Z

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche nennt in den USA jedermann nur noch Dr. Z - weil das Unternehmen seinen Chef für hunderte von Millionen Dollar als solchen in Werbespots verkaufte. Andere Top-Manager bekommen Spitznamen völlig kostenlos verpasst - sind damit aber nicht immer glücklich.

STUTTGART. Als "Dr. Z" erklärt der schnauzbärtige Daimler-Chrysler-Vorstandsvorsitzende derzeit in US-Spots höchstpersönlich, warum die neuesten Chrysler-Modelle so toll sind. Zum Beweis schnappt er sich einen Journalisten und rast in irrem Tempo durch Straßenschluchten, bis der Pressemann grün im Gesicht wird. Dr. Z plaudert derweil seelenruhig weiter, raucht mit dem Wagen mal eben in eine Betonwand und fragt den unversehrten Fahrgast cool: "Noch Fragen?" Der von der Werbeagentur BBDO kreierte Slogan "Ask Dr. Z" ist längst zum geflügelten Wort in amerikanischen Büros geworden und mit ihm Dieter Zetsche zur Kultfigur.

Die Kampagne, der Zetsche seinen neuen Spitznamen verdankt, kostete das Unternehmen rund 225 Millionen Dollar. Andere Top-Manager bekommen Spitznamen völlig kostenlos verpasst - sind damit aber nicht immer glücklich. Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp erhielt wegen seiner ruppigen Art den Beinamen "Rambo". Seine Büroleiterin und spätere Frau Lydia wurde im Konzern schwäbisch ehrfurchtsvoll "das Hexle" genannt, das vor dem Chef nicht kuschte.

Utz Claassen, Chef des Energieriesen EnBW, zog sogar bis vor das Oberlandesgericht, um zu verhindern, dass der frühere Aufsichtsratschef der Stadtwerke Düsseldorf ihn noch einmal mit Idi Amin vergleicht. Wie der afrikanische Diktator habe sich Claassen bei der Übernahme der Stadtwerke aufgeführt, zog Hans-Otto Christiansen über Claassen her. Das ging dem Manager dann doch zu weit. In zweiter Instanz erwirkte er einen gerichtlichen Vergleich mit einem Unterlassungsversprechen.





» Quiz: Raten Sie die Spitznamen weiterer Manager!





Egal, ob Kose- oder Spottname, beleidigend oder huldigend - welche Spitznamen über Chefs in der Öffentlichkeit kursieren, beeinflusst nicht nur deren Image, sondern auch den Umgang mit ihnen. "Pointiert wird mit Spitznamen formuliert, was man mit der Person erfahren hat. Sie enthalten einen versteckten Tipp, wie man am besten mit dem Menschen zurechtkommen kann - eine Art Faustregel", sagt Sozialpsychologin und Humorforscherin Marion Bönsch-Kauke.

So bekam Harry Roels bereits kurz nach seinem Antritt als Chef des Energieversorgers RWE den Spitznamen "Green Harry" angehängt. Weil er nicht müde wurde, sein gutes Verhältnis zum damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin zu loben. Konzernintern galt die versteckte Handlungsanweisung: Vorsicht! Roels ist den Grünen wohlgesinnt. Auch wenn er später mit Trittin im Clinch lag.

Seite 1:

Von Schneckchen und Dr. Z

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%