Sponsoren lieben Salzburg
Bühne frei für die Audi-Festspiele

Die Salzburger Festspiele locken alljährlich exklusive Geldgeber wie Siemens, Audi, Nestlé und Rolex. Strenge Compliance-Regeln machen dem glamourösen Klassik-Event und seinen Sponsoren aber zu schaffen.
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Salzburg„Irgendwann wird das mal in Audi-Gasse umbenannt“, giftet ein Salzburger, als ein Audi A8 nach dem anderen im Schneckentempo durch die Salzburger Altstadt zum Festspielhaus kriecht. Die Ingolstädter Automarke mit den vier Ringen im Kühler des Luxusschlittens dominiert seit vielen Jahren optisch die Festspielstadt. Denn die prosperierende Tochter des Volkswagen-Konzerns ist schließlich einer der größten Sponsoren der Salzburger Festspiele. VW-Legende und Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche lässt es sich persönlich nicht nehmen, im weißen Smoking-Jackett die vielen Bekannten in der Audi-Lounge im Salzburger Festspielhaus zu begrüßen.

Audi gehören die Festspiele nicht allein. Auch Siemens, Nestlé und Rolex sind beim größten Klassikfestival der Welt omnipräsent. Denn eine solche grandiose Bühne mit Kunst und Glamour wollen die globalen Marken für sich nutzen. Die Gelder der Sponsoren spielen bei der Finanzierung eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr spülten die Konzern 10,3 Millionen Euro in die Kasse des Salzburger Festspielfonds. Das entsprach 17 Prozent des gesamten Etats. Zum Vergleich: 1995 nahmen die Salzburger Festspiele gerade mal rund anderthalb Millionen Euro über die Konzerne ein.

Die Sponsorengelder entwickelten sich seit zwei Jahrzehnten prächtig. „Glücklicherweise haben alle Hauptsponsoren verlängert. Auch bei den Projektsponsoren geht es uns gut“, sagte die langjährige Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, dem Handelsblatt. Beispielsweise hat Rolex seinen Vertrag bis 2021 verlängert. Im vergangenen Jahr hatte Audi seinen Vertrag um weitere vier Jahr verlängert. Die Ingolstädter sind bereits seit 21 Jahren als Geldgeber in Salzburg dabei.

Neben den Hauptsponsoren gibt es noch Geldgeber für konkrete Inszenierungen und Konzerte. Ein Beispiel ist der Tiroler Schmuckhersteller Swarowski, der die „Jedermann“-Aufführung mitfinanziert. Daneben sind auch der Pharmakonzern Roche, die Banc of America/Merill Lynch und Versicherungskonzerne Swiss Re und Uniqa bei konkreten Projekten dabei. Doch auch unbekannte Geldgeber mischen im Hintergrund mit. „Es gibt auch Mäzene, die gar nicht genannt werden wollen, weil sie Salzburg aus Liebe zur Kunst unterstützen“, erklärt eine Managerin. Das Geschäft mit den Geldgebern ist nicht einfach. „Es ist schwerer einen Sponsoren zu halten, als einen zu gewinnen“, sagt die Präsidentin der Salzburger Festspiele.

Das ganze Jahr versucht sie, neue Sponsoren zu finden. Ganz oben auf ihrer Liste steht eine Bank oder eine Airline. Denn die Kosten steigen. „Wir mussten leider noch 2014 mit den öffentlichen Zuwendungen in der Höhe von 1998 unsere Kosten bestreiten. Glücklicherweise haben wir 2015 erstmals wieder eine Erhöhung bekommen“, freut sich Rabl-Stadtler.

„Den Salzburger Festspielen geht es wirtschaftlich gut“, sagt sie durchaus mit Stolz. Seit zwei Jahrzehnten leitet die Österreicherin die kulturellen Geschicke an der Salzach. In diesem Jahr verfügen die Festspiele über einen Etat von knapp 60 Millionen Euro. Fast die Hälfte des Etats kommt aus dem Kartenverkauf. 2014 waren es 28,5 Millionen Euro. Die Nachfrage bei den Tickets ist groß. „Der Kartenverkauf läuft sehr gut, obwohl die Zeiten gar nicht einfach sind“, berichtet die Präsidentin. Den Vorwurf des Elitären will die frühere Politikerin nicht gelten lassen. „Die Höchstpreise sind hoch, daher heben wir sie derzeit nicht an. Aber über die Hälfte unserer Karten kosten zwischen 5 Euro und 105 Euro“, sagte sie. Das Konzept geht auf.

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