Sprachreisen
Gerichtsverhandlung statt Reisefreude

Wenn bei Sprachreisen etwas schief läuft, ziehen erboste Schüler schnell vor Gericht. Ein paar Urteile im Überblick.

Wohnküche

Ein Hesse hatte zwei Wochen Französischunterricht im Loire-Tal gebucht. Laut Anbieter sollte das "Ambiente der Unterrichtsräume Stil und Kultur des jeweiligen Landes entsprechen". Der Kulturschock war perfekt: Die Lehrerin unterrichtete in einer Wohnküche - und hütete nebenbei ihre Enkel und drei Jagdhunde. Von den versprochenen vier Stunden widmete sich Madame ihren Schülern nur zwei; den Rest verbrachten sie mit einem Lehrbuch aus den Fünfzigern. Nach drei Tagen brach der Hesse ab und forderte die Kursgebühr von 700 Euro zurück. Für die "entgangene Urlaubsfreude" machte er zudem 300 Euro geltend. Die Richter waren auf seiner Seite: Der Unterricht sei "praktisch als wertlos anzusehen". Die geforderte Entschädigung hielten sie für bescheiden, er hätte auch 600 Euro verlangen dürfen (Landgericht Frankfurt, 2/24 S 426/89).

Pornofreak

Ein Vater schickte seinen Sohn für ein Jahr auf eine amerikanische High School. Doch schon nach drei Wochen warf die Gastfamilie den Jungen raus: Die minderjährige Tochter hatte auf dem Familien-PC zwei Pornofilme entdeckt, die der Gast aus dem Internet heruntergeladen und auf seine eigene Homepage gestellt hatte. Der Veranstalter der Schülerreise schickte ihn wieder nach Deutschland, und der Vater des Pornofreaks forderte den Reisepreis von 6 221 Euro zurück. Doch die Richter entschieden: Die fristlose Kündigung des Vertrags sei berechtigt, da der Junge "grob gegen innerfamiliäre Regeln" verstoßen habe (Landgericht Frankfurt, 2-19 O 87/02).

Wechselkurs

Die Geschäftsbedingungen eines Anbieters von Sprachreisen sahen vor, dass der Preis erhöht werden könne, falls sich der Wechselkurs ändert. Dagegen zogen Verbraucherschützer vor Gericht - mit Erfolg. Die Klausel sei ungültig, weil sie dem Veranstalter zu viel Spielraum lasse, "zu seinen Gunsten seinen Gewinn zu erhöhen", entschieden die Richter (Landgericht Berlin, 26 O 248/99).

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