Springer-Chef
Mathias Döpfner im Grill Royal

Soll Springer-Chef Mathias Döpfner den Post-Herausforderer Pin verkaufen, wieder Kooperationspartner suchen oder ganz einfach schließen? Das schwierige Briefgeschäft stellt den Chef des Medienkonzerns vor die größte Bewährungsprobe seiner Karriere.

DÜSSELDORF. Heute, pünktlich um acht Uhr, wird Mathias Döpfner im 19. Stock des Berliner Springer-Hochhauses seine Gäste zum Frühstück empfangen. Knapp zwei Dutzend Mitarbeiter hat der Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer zu Latte macchiato eingeladen. Feuer frei für Fragen, heißt das Motto der Zusammenkunft. An Fragen fehlt es in der Belegschaft von Europas größtem Zeitungshaus derzeit nicht. Wohin steuert Axel Springer? Was wird aus dem Postdienstleister Pin?

Der Zwei-Meter-Mann Döpfner steht vor der größten Bewährungsprobe seiner Karriere. Der Ausflug in die Logistik ist längst zum gefährlichen Abenteuer geworden. Ende Juni hatte Springer zum stolzen Preis von 510 Millionen Euro seinen Anteil am Postdienstleister Pin auf knapp 72 Prozent aufgestockt. Das Ziel ist klar: Springer soll sich mit dem Briefgeschäft eine neue Branche erschließen.

Doch der Traum Döpfners scheitert ausgerechnet an der Bundesregierung. Mit der Entscheidung, einen Mindestlohn für Briefzusteller von 9,80 Euro pro Stunde einzuführen, macht Berlin seine Geschäftspläne zunichte. Der niederländische Kooperationspartner TNT springt ab, und Döpfner zieht die Reißleine: Pin wird mehr als 1 000 der insgesamt 9 000 Zusteller kündigen. „Der gesamte private Postwettbewerb steht vor einem Scherbenhaufen“, sagt Döpfner. „Wettbewerb gegen den Staatsmonopolisten ist unter diesen Umständen praktisch unmöglich.“

Sein Kontrahent, Post-Chef Klaus Zumwinkel, triumphiert unterdessen. Er hatte zu Wochenbeginn rund 200 000 Aktien des eigenen Unternehmens an der Börse verkauft und dafür 4,7 Millionen Euro kassiert. Die Aktie war zuvor in die Höhe gesprungen, denn mit dem Mindestlohn sind die Post-Konkurrenten wie Pin auf Dauer in der Defensive. Zu allem Überfluss wirft die Post dem Springer-Chef sogar noch ein Täuschungsmanöver vor. „Am Ende des Tages handelt es sich um Management-Probleme von Springer, die auf einer anderen Ebene untergepflügt werden sollen“, sagte ein Post-Sprecher zu den seiner Meinung nach unrealistischen Geschäftsplänen Döpfners.

Die Falten in der Stirn von Döpfner sind tief. Der 44-Jährige muss bis Weihnachten eine Entscheidung fällen. Sollte er das private Briefgeschäft verkaufen oder gar schließen, wäre das die größte Niederlage seiner sechsjährigen Amtszeit. „Er ist schonungslos mit sich selbst“, sagt ein Insider über Döpfners Grundstimmung. Derzeit nimmt Roland Berger das Geschäft der Pin Group auseinander. Dann entscheidet Döpfner, was aus dem Briefgeschäft werden soll.

In dieser Lage bleibt für Konzerte und Opernbesuche, die Leidenschaft des promovierten Musikwissenschaftlers, nur wenig Zeit. Selbst im In-Lokal der Medienszene, dem Restaurant „Grill Royal“ in Berlin, ist Döpfner nur selten anzutreffen.

Der gelernte Journalist und frühere „Welt“-Chefredakteur, der Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer seit Jahren freundschaftlich verbunden, gibt sich in diesen Tagen kämpferisch. Künftig will er sich nicht nur um das Zeitungsgeschäft kümmern, sondern auch um Internationales. Baustellen gibt es viele im Konzern. Die Auflage des Gewinnbringers „Bild“ sinkt seit Jahren, der Einstieg ins polnische Fernsehgeschäft liegt auf Eis, und die Internetgeschäfte stehen nach dem Ende der Kooperation mit der Telekom vor dem Umbau.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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