Springer
Döpfner holt krisenfeste Kraft

Lothar Lanz ist eine Mann für schwere Zeiten. Nach dem spektakulären Zusammenbruch der Kirch-Gruppe steuerte er den Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 als Finanzchef durch die Krise. Auch bei seinem neuen Arbeitgeber Springer wartet kein leichter Job auf ihn. Springer leidet unter dem schlechten Werbemarkt und sinkenden Auflagenzahlen.

DÜSSELDORF. Eigentlich wollte der Finanzmanager Lothar Lanz nur noch auf Golfplätzen stehen. Doch dem Angebot von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner konnte er nicht wiederstehen. Ab 1. Mai wird der 60-Jährige neuer Finanzvorstand des „Bild“-Konzerns und löst damit Amtsinhaber Steffen Naumann nach annähernd acht Jahren ab.

Die Wahl Döpfners ist überraschend. Denn damit holt der Springer-Chef einen ehemaligen Vertrauten seines einstigen Gegenspielers Leo Kirch in die Konzernspitze. Denn Lanz diente dem ehemaligen Springer-Großaktionär Kirch über viele Jahre. Der Diplom-Kaufmann aus dem malerischen schwäbischen Wallfahrtsort Bihlafingen kam bereits 1996 zur Kirch-Gruppe. Er übernahm in den goldenen Jahren des Privatfernsehens den Posten als Finanzvorstand bei der heutigen Sendergruppe Pro Sieben Sat 1. Damals konnte der leutselige Manager nicht ahnen, dass er sich auf ein ungewisses Abenteuer eingelassen hatte. „Ich habe alles erlebt, was ein Finanzvorstand in einem Fernsehunternehmen erleben kann“, sagte Lanz nach seinem Ausscheiden im Sommer 2008.

Tatsächlich hat der frühere Banker der Hypo-Bank vieles erlebt. Lanz ist kein Schönwettermann. Er steuerte den Fernsehkonzern nach dem spektakulären Zusammenbruch der Kirch-Gruppe im Frühjahr 2002 durch eine schwierige Zeit. Als dann der Hollywood-Milliardär Haim Saban 2003 den TV-Konzern für wenig Geld übernahm, sagten viele schon das Ende von Lanz als Finanzvorstand voraus. Doch ihm gelang es schnell, das Vertrauen des cleveren Selfmademan aus Beverly Hills zu gewinnen. Der leidenschaftliche Sportler Lanz ist eben ein geborener Menschenfänger. „Er hat eine hohe Kommunikationsfähigkeit und steht bei Investoren in hohem Ansehen“, sagte eine langjährige Mitarbeiterin über ihren früheren Chef.

Zu Springer hatte Lanz stets ein gutes Verhältnis. Als Döpfner vor vier Jahren die Sendergruppe übernehmen wollte, zählte Lanz zu den Unterstützern des Vorhabens. Mit dem Springer-Chef ging er auf Roadshow, um bei Investoren für die Übernahme zu werben. Lanz sollte nach dem Deal COO werden. Der Schwabe hatte bereits nach einer Bleibe in Berlin Mitte Ausschau gehalten. Doch Döpfners Pläne scheiterten am Kartellamt.

Nun kann sich der Finanzmanager, der in den wilden Sechzigern in Berlin Betriebswirtschaft studierte, erneut auf die Suche machen. Lanz geht nun aber in ungemütlichen Zeiten an die Spree. Der schlechte Werbemarkt und die sinkenden Auflagenzahlen machen der Printbranche schwer zu schaffen. Noch kann sich Springer durch Verkäufe, Auslandsgeschäfte und Internetaktivitäten gegen den Trend stemmen. Doch gänzlich ausblenden kann auch der „Bild“-Konzern die Krise nicht. Auf Lanz wartet kein leichter Job.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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