Staatlich geförderte Renten werden vorgezogen
Juristen entdecken die private Altersvorsorge

Der Übergang vom Generationenvertrag in die private Vorsorge will gestaltet sein. Das sieht seit neuestem auch der Deutsche Juristentag (DJT) so. Dafür bevorzugt er mehr staatlich geförderte freiwillige Rentenprodukte ähnlich der so genannten Riesterrente.

BERLIN. Der Übergang vom Generationenvertrag in die private Vorsorge will gestaltet sein. Das sieht seit neuestem auch der Deutsche Juristentag (DJT) so. Dafür bevorzugt er mehr staatlich geförderte freiwillige Rentenprodukte ähnlich der so genannten Riesterrente. Nach Aussage von Wolfgang Schön, Vorsitzender der Abteilung Altersvorsorge, gibt es unter den Teilnehmern eine Mehrheit für weitere staatlich abgesicherte Rentenprodukte. Private Zwangsrenten ebenso wie die völlige Eigenverantwortung der Bürger lehnt die größte berufsübergreifende juristische Lobbyvereinigung dagegen für die Alterssicherung eher ab.

Neben der staatlichen Rente tragen die Betriebsrenten und die kaum mehr als fünf Millionen Riesterverträge nur einen kleinen Teil der zukünftigen Rentenlast der Deutschen, was mehr private Eigenverantwortung dringend nötig macht. Gleichwohl war die Altersabsicherung bisher nie ein großes Thema auf den jährlichen Tagungen des 8000 Mitglieder zählenden Juristenvereins. Schön räumt ein, dass man mit der diesjährigen Schwerpunktsetzung den Anschluss an die Expertenkommissionen der Bundesregierung und der Opposition nicht verlieren wolle. Das Interesse am Thema scheint geweckt, seit selbst für Richter, Anwälte und Unternehmensjuristen die Frage ausreichender privater Alterseinkünfte problematisch geworden ist.

Zur Zukunft der privaten Vorsorge hat der DJT gleich zwei Gutachten und drei Referate erarbeiten lassen. Allerdings findet sich in den Papieren kaum ein Wort dazu, wie das demografische Dilemma in den Griff zu bekommen ist. Dabei hängt auch die kapitalgedeckte Altersvorsorge davon ab, dass später noch Kinder geboren werden. Dennoch vernachlässigen Versicherer bislang meist die Bedürfnisse von Eltern - etwa im Hinblick auf durch Kinderbetreuung unterbrochene Erwerbsbiografien. So ist die gegenwärtige Riesterrente nur für Verdiener da.

Für diese Zusammenhänge fühlt man sich auf dem Juristentag aber nicht zuständig. "Wir konzentrieren uns ganz auf die private Altersvorsorge", bestätigt Professor Schön den Fokus des Juristentages. Man werde sich zwar über Art und Ausmaß des demografischen Wandels informieren. Letztlich sei es aber eine Aufgabe der Sozialpolitik hier gegenzusteuern. In der Diskussion sei jetzt vor allem, ob die private Vorsorge für jeden Deutschen zwangsweise eingeführt werden solle. Strittig ist dabei, ob der Bürger allein zwischen hunderten verschiedener Anbieter aussuchen muss oder der Staat wie schon bei der Riesterrente Standards und Zuschüsse vorgeben soll. Schön befürwortet Standards, weil dies mehr Menschen in die private Vorsorge bringt.

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