Staatsanwälte fordern schärfere Strafe
Neuer Prozess gegen Hyundai-Chef

Ein selbst angestrebter Revisionsprozess könnte für Hyundai-Chef Chung Mong-koo eine längere Haftstrafe bringen als durch ein Bezirksgericht entschieden. Die Staatsanwälte haben vor dem obersten Zivilgericht Seoul eine sechsjährige Haftstrafe für Chung beantragt. Der Firmenpatriarch soll Firmengelder veruntreut sowie Banker und Beamte bestochen haben.

fmk TOKIO. Nach einem mehrmonatigen Prozess hatte das Bezirksgericht Chung im Februar zu drei Jahren Haft verurteilt. Er ist derzeit auf Kaution frei. „Wir haben reichlich Beweise, um unsere Anklage zu untermauern“, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Die Strafe sei zu nachsichtig ausgefallen, zumal Chung wegen der Kaution weiter seinen Geschäften nachgehen könne. Eine strengere Strafe sei angezeigt, weil Chung dem internationalen Ansehen Südkoreas enormen Schaden zugefügt habe. Die Verteidigung wies in dem ersten Prozess darauf hin, dass Chung das Geld nicht für persönliche Zwecke abgezweigt habe, sondern um die Expansion des Unternehmens voranzutreiben.

Der 69-Jährige hatte schwarze Kassen mit 90 Mrd. Won (umgerechnet rund 75 Mill. Euro) aus Aktiengewinnen gespeist, die er in abgespaltenen Tochtergesellschaften des Hyundai-Konzerns erzielt hat. Diesen Unternehmen hat er gezielt Aufträge zugespielt. Der Anklage zufolge wollte er mit dem Geld die Macht im Konzern für seinen Sohn sichern. Hyundai ist börsennotiert. Die Richter wollen das neue Urteil über Chung am 10. Juli sprechen.

Südkoreas Justiz geht härter gegen Wirtschaftskriminalität auf höchster Ebene vor, seit die Politik sich verstärkt anstrengt, das Land zu modernisieren. Die heutigen Großkonzerne des Landes sind meist im vorigen Jahrhundert als Familienunternehmen entstanden und trotz ihres Milliardenumsatzes immer noch familiär organisiert. Trotz erfolgreicher Anstrengungen, die Institutionen zu entflechten, sind Konzerne, Banken und auch Ministerien oft noch eng miteinander verbunden, so dass die gegenseitige Überwachung vielfach noch nicht internationale Standards erreicht.

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