Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Maklerkönig und Top-Manager
Völkers: Jetsetter in Bedrängnis

Ob Finca auf Mallorca, Penthäuser an der Hamburger Elbchaussee oder Friesenhäuser auf Sylt – wenn Deutschlands High Society ihren wertvollen Grundbesitz versilbern will, dann ist meist ein Mann im Spiel: Christian Völkers, Vorstandschef des Hamburger Maklerimperiums Engel & Völkers.

HAMBURG. Um für die millionenschweren Traumvillen Käufer zu finden, weiß sich der schwarz gelockte, stets sonnengebräunte Strahlemann medienwirksam ins Licht zu rücken: Arm in Arm turtelt der 1,71 Meter große Kaufmann 2001 im Schweizer Nobelskiort St. Moritz mit Claudia Schiffer, Deutschlands bekanntestem Model. Prompt bekommt „Bild“ Wind davon und widmet ihm sogar die Titelseite der Hamburg- Ausgabe. Das auflagenstarke Blatt dichtet ihm eine „Turtel“-Liaison mit der Beauty-Queen an. Für Völkers ist der Presserummel vorteilhaft. Er kann sich vor neuen Kunden kaum retten.

Jetzt dürfte dem „König der Immobilienmakler“ allerdings das Lachen vergehen: Am Dienstag vergangener Woche stürmte die Polizei fünf Privatwohnungen und vier Firmen in Saarbrücken sowie Hamburg – darunter die Geschäftsräume der Engel & Völkers AG in der Hamburger Innenstadt an der Stadthausbrücke. Die Kripo stellt umfangreiches Aktenmaterial sicher.

Die Fahnder hegen gegen den 47-Jährigen sowie weitere neun Personen den Verdacht auf eine Straftat nach Paragraph 283 Strafgesetzbuch: Bankrott. Den Beteiligten drohen maximal fünf Jahre Haft. Mitverdächtigt sind Egbert Blume, Vorstandsmitglied der Aachener und Münchener Lebensversicherung AG (AMB), sowie Jochen Petin, zuständig für die Beteiligungen der AMB Generali Holding AG.

Gegenstand der unter dem Aktenzeichen 7640 Js 22 4002/03 geführten Ermittlungen ist die ehemalige AMB-Tochter Blumenauer Holding GmbH, eine der führenden deutschen Maklerketten mit 350 Mitarbeitern an 16 Standorten. „Es besteht der Verdacht, dass die Firma finanziell ausgehöhlt wurde mit der Folge des Konkurses“, erklärt die Frankfurter Staatsanwältin Doris Möller-Scheu.

Gesellschafter der Engel & Völkers AG – darunter Christian Völkers – hatten die Blumenauer Holding Ende 2000 von der Aachener und Münchener Versicherung (AMB) erworben. Im Gegenzug erhielt die zur italienischen Generali gehörende AMB ein Aktienpaket an Engel & Völkers, das mittlerweile auf knapp zwölf Prozent gesunken ist. Den Millionendeal hatte Völkers pressewirksam als „bedeutenden Quantensprung“ vermarktet, um Anlegern den für 2001 geplanten Börsengang schmackhaft zu machen. Denn durch die Übernahme von Blumenauer wuchs der Edelmakler in eine neue Dimension: Der Konzern hatte plötzlich 800 Mitarbeiter, der Markenumsatz (inklusive unter anderem der Umsätze der Lizenzpartner) stieg auf 45 Millionen Euro.

Doch aus dem Börsengang wurde nichts. Bereits einige Monate nach der Blumenauer-Übernahme verschob Völkers die Aktienplatzierung auf unbestimmte Zeit. Schuld daran sei die schlechte Stimmung an der Börse, begründete er damals den Rückzug.

Damit geriet der Jetsetter in Bedrängnis: Weil ihm offenbar das Geld aus der Aktienplatzierung fehlte, soll er der Blumenauer-Gruppe rund sieben Millionen Euro entzogen haben. Wolf-Rüdiger Wetzel, ehemaliger Geschäftsführer der Blumenauer Holding, stellt deshalb Strafanzeige. Darin heißt es, der abgezogenen Summe habe zu keinem Zeitpunkt eine angemessene werthaltige Gegenleistung gegenübergestanden. „Sie stellt sich ausschließlich als eine zinslose Kreditierung der Firma E&V dar, die damit ihre eigenen erheblichen Liquiditätsprobleme in den Griff bekommen hat.“

Auch der österreichische Immobilienexperte Martin Steiner stellt Strafanzeige. Er hat Blumenauer Ende 2002 gekauft. Doch bereits nach kurzer Zeit ist er sicher, dass die Firma finanziell ausgehöhlt wurde: „Ich habe eine Firmenhülle übernommen, die bankrott war“, sagt Steiner. Zwei Monate später stellt er für die inzwischen in MAC Consult umbenannte Blumenauer Holding Insolvenzantrag.

Christian Völkers hält die Vorwürfe für unbegründet. Er will mit der „Staatsanwaltschaft in Frankfurt in vollem Umfang kooperieren.“ Ein AMB-Sprecher sagt, „wir gehen davon aus, dass etwaige Vorwürfe gegenüber den Herren Blume und Petin nicht zur Erhebung einer Anklage führen. Wir rechnen mit einer Einstellung des Verfahrens gegen die beiden Betroffenen in absehbarer Zeit.“

Völkers, den Geschäftsfreunde kurz „Chrille“ nennen, hat die Maklergruppe 1981 gegründet. Der studierte Kaufmann versucht sich zunächst in der Schifffahrt, schwenkt aber nach mehreren Auslandsaufenthalten unter anderem in den USA zur Immobilienbranche um. Er wittert das große Geschäft mit dem Verkauf von Luxusvillen, die hohe Renditen versprechen. Schnell hat er das Image eines Playboys – ungern lehnt er Einladungen ab, wenn sich zwischen Sylt, St. Moritz und Mallorca Adel, Geldadel und Prominenz treffen. Die Heirat mit dem holländischen Top-Model Ana Maria von Pallandt verschafft ihm zudem leichteren Zugang zur Belle Étage.

Aufmerksam auf den Sonnyboy wird 1985 auch das britisch-amerikanische Auktionshaus Sotheby’s. Es bietet ihm an, dass Engel & Völkers künftig als deutscher Partner für ihre Immobiliengeschäfte tätig wird und Villen von Beverly Hills bis Biaritz anbietet. Völkers schlägt ein, um sich mit dem Hochglanznamen zu schmücken.

Fast zwanzig Jahre hält die Zusammenarbeit. Erst vor einigen Wochen teilt Völkers mit, dass man die langjährige Partnerschaft aufgegeben habe. Um weiter Villen für den internationalen Jetset anzubieten, schließt Völkers zum 1. September eine neue internationale Immobilienpartnerschaft, jetzt mit Christie’s. Ob das Auktionshaus über die Durchsuchung in der Hamburger Zentrale bereits informiert ist?

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