Staatsanwaltschaft will bald Schlussstrich ziehen
Flowtex-Skandal: 888 Urkundenseiten und 78 Jahre Haft

78 Jahre und zwei Monate - das ist die Summe der Haftstrafen, die im größten Wirtschaftsbetrug der deutschen Nachkriegsgeschichte bisher verhängt wurden.

dpa MANNHEIM. Vor mehr als acht Jahren flog der Milliardenskandal um die Betrugsfirma FlowTex auf, jetzt steht die juristische Aufarbeitung vor dem Ende. "Der Komplex ist ermittlungsmäßig abgeschlossen", heißt es bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft, die die Scheingeschäfte mit Horizontal- Bohrsystemen federführend untersucht hat.

Drei Prozesse, unter anderem gegen den bereits verurteilten Haupttäter Manfred Schmider, stehen allerdings noch an - wann, ist jedoch unklar.

Die Führung des Firmenimperiums hatte mit den Luftgeschäften bei Banken und Leasingfirmen einen Schaden von gut zwei Milliarden Euro angerichtet. Die Zahlen der Staatsanwaltschaft verdeutlichen das Ausmaß des Skandals: 127 Ermittlungsverfahren wurden seit dem Jahr 2000 eingeleitet, 27 Menschen wurden verurteilt - neun davon zu Haftstrafen, 16 zu Bewährungsstrafen und zwei zu Geldstrafen. Die früheren Chefs der Betrugsfirma, Manfred Schmider und Klaus Kleiser, sind nach langen Haftstrafen wieder auf freiem Fuß.

Am Mittwoch hat das Landgericht Mannheim einen ihrer Gehilfen, einen Anwalt aus Pforzheim, für vier Jahre ins Gefängnis geschickt - wegen Beihilfe zum Betrug und Steuerhinterziehung. Der 69-Jährige muss aber voraussichtlich nur eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe absitzen, weil das Gericht einen Teil der Haftzeit als vollstreckt ansieht und von der Gesamtstrafe abzieht. Der Jurist habe geholfen, das Lügengebäude rund um FlowTex aufrechtzuerhalten, sagte die Vorsitzende Richterin. "Der Angeklagte hat sich in den von Schmider und Kleiser ersonnenen Geldkreislauf einspannen lassen."

In ihrer Urteilsbegründung beleuchtete die Richterin am Beispiel des Anwalts auch das "System" FlowTex. "Der Angeklagte ist von Schmider ganz raffiniert in die Sache verstrickt worden." Der Jurist, aber etwa auch Angelika Neumann - eine einstige Geschäftsführerin einer FlowTex-Firma - hätten sich von Schmiders Persönlichkeit "einlullen" und sich kaufen lassen. "Das sind alles Menschen, die Schmider geformt hat nach seinen Wünschen und Bedürfnissen."

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