Staatsanwaltschaft wird weitermachen
Auch 2005 wird wohl ein Mannesmann-Jahr

Beim Bundesgerichtshof (BGH) dürfte nicht gerade Freude aufkommen: Für 82 Aktenordner, 252 Schriftstücke und 20 Umzugskartons mit weiteren Unterlagen muss das Gericht demnächst Platz schaffen. "Entweder müssen wir die Akten auf den Fluren stapeln", sagt BGH-Sprecher Wolfgang Krüger, "oder wir lagern sie in einem eigenen Raum."

HB DÜSSELDORF. Wo auch immer - klar ist jedenfalls, dass Karlsruhe dieser Papierflut nicht entgehen wird. Denn nach dem Freispruch im Mannesmann - Verfahren, dem wohl spektakulärsten Wirtschaftsprozess in Deutschland, sind sich alle Experten sicher: Die Revision beim BGH ist programmiert. Selbst aus Justizkreisen heißt es längst: "Die Staatsanwaltschaft wird weitermachen." Damit wird auch das nächste Jahr ein Mannesmann-Jahr. Denn vor 2005 rechnet BGH-Sprecher Krüger nicht mit dem Revisions-Urteil. Das liegt nicht zuletzt an den Formalien. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

Zunächst müssen die Düsseldorfer Staatsanwälte um Johannes Puls die Revision schriftlich einlegen, dann auf das zu Papier gebrachte Urteil warten. Experten schätzen, dass dies nicht unter drei Monaten dauern wird. Liegt es vor, müssen die Staatsanwälte die Revision innerhalb von vier Wochen begründen. Die Verteidiger erhalten anschließend die Möglichkeit, eine "Gegenerklärung" abzugeben. Erst dann gehen die Akten zum BGH.

Bis zum Abschluss des Verfahrens braucht es laut Krüger meist nicht mehr als drei Monate. Dass dies auch im Mannesmann-Verfahren so ist, könnte nicht zuletzt daran liegen, dass die Revision beim 3. Strafsenat landet. Streitigkeiten werden beim BGH nach Regionen aufgeteilt, Verfahren aus dem Düsseldorfer Raum gehen zum 3. Senat. Und dessen Vorsitzender, Klaus Tolksdorf, gilt als zügiger Verhandler.

Tolksdorf ist ein alter Hase, ein Profi in Strafgerichtsverfahren. Gerichtsbeobachter schildern den 56-Jährigen als ruhigen Prozessleiter, der Verfahren straff zu führen versteht. Auch von Hochschul-Kollegen erhält der Münsteraner Honorarprofessor nur beste Zeugnisse. "Phantastischer Jurist, erstklassiger Richter" lautet das einhellige Urteil. Beide Examina hat er mit "Sehr Gut" absolviert - unter Juristen eine große Seltenheit. Vielleicht rührt daher auch eine Abneigung, die ihm nachgesagt wird: "Was er in jedem Fall hasst", heißt es in Justizkreisen, "sind schlechte Strafverteidiger".

Die wird er allerdings auch nicht vorgesetzt bekommen. Vor dem BGH werden sich die bisherigen Prozessparteien in nahezu identischer Besetzung wiedertreffen. Die Düsseldorfer Staatsanwälte müssen allerdings auf die Zuhörer-Bank, denn beim BGH übernimmt die Generalbundesanwaltschaft.

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