Stabwechsel
Diener der Familie Mohn

Die Kleinkariertheit der nordrhein-westfälischen Landespolitik ist Siegfried Luther zuwider. „Bei so einer Aufgabe in Düsseldorf kommt man schnell in die Niederungen der Landespolitik“, weiß der Finanzvorstand von Bertelsmann.

HB DÜSSELDORF. Luther, seit 15 Jahren Herr der Zahlen bei Europas größtem Medienkonzern, hat sich dennoch vom Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) als Mitglied einer Reformkommission in die Pflicht nehmen lassen. Und so lässt er sich von der nüchternen Konzernzentrale im ostwestfälischen Gütersloh in die pompöse Düsseldorfer Staatskanzlei chauffieren.

Pflichtbewusstsein macht das Denken und Handeln des asketischen Finanzmanagers aus. Seit anderthalb Jahrzehnten dient Luther als Finanzvorstand dem Patriarchen Reinhard Mohn. Zum Jahresende aber verlässt der 61-Jährige die Bertelsmann-Kommandobrücke. Sein Nachfolger ist Thomas Rabe, bisher Finanzvorstand beim Luxemburger TV- und Radiokonzern RTL Group.

Eigentlich hätte Luther gerne seine langjährige Mitarbeiterin Verena Volpert als Nachfolgerin gesehen. Doch die Mohns und Konzernchef Gunter Thielen wollten den vielsprachigen Technokraten Rabe. „Mein Verhältnis zu Thomas Rabe ist sehr, sehr gut“, beteuert Luther gerne öffentlich, um den harmonischen Übergang zu unterstreichen.

Der Abgang Luthers ist das Ende einer Epoche bei Bertelsmann. Wie kein anderes Vorstandsmitglied lenkte er die Geschicke des Konzerns im Hintergrund. Luther verstand sich dabei stets als Diener des Firmenpatriarchen Mohn. „Ich habe immer nur Bertelsmann gedient, aber nicht den jeweiligen Vorstandsvorsitzenden“, sagt er zu seinem Selbstverständnis. Luther, der Pflichtbewusste, hatte lange Zeit als Testamentsvollstrecker von Mohn eine besondere Stellung.

Mit dem Aufstieg von Mohns zweiter Frau Liz verblasste jedoch Luthers Stern am Bertelsmann-Firmament. „Mein Verhältnis zu Liz Mohn ist gut“, sagt er diplomatisch. Er kenne sie seit 30 Jahren, „damals hatte sie begonnen, sich um die Frauen der Führungskräfte in Gütersloh zu kümmern“. Luther beobachtete genau den Aufstieg der ehemaligen Telefonistin des Buchclubs in Rheda zur schillernden Bertelsmann-Matriarchin.

Luther, einer der dienstältesten Finanzvorstände in der deutschen Wirtschaft, spielte bei Bertelsmann stets eine selbstbewusste Rolle, egal ob unter Konzernchef Mark Wössner, Thomas Middelhoff oder nun unter Gunter Thielen. Manch kühnen Plan überprüfte er mit kritischen Fragen auf den Vorstandssitzungen in Gütersloh, New York oder sonst wo. Luther sah sich dabei durchaus in der Rolle eines Bremsers. „Der Finanzvorstand muss seinen Kollegen beim Vorwärtsstürmen auf die Finger schauen und schon mal sagen: Da sind die Grenzen“, definiert er seine Rolle.

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