Stada-Chef Hartmut Retzlaff
Amerikanischer Traum im Kornfeld

Hartmut Retzlaff hat aus der Apothekergenossenschaft Stada „eine echte Story“ gemacht – jetzt steht er vor der Wahl: weiter zukaufen oder zum Übernahmekandidaten werden?

FRANKFURT. Zwischen den Kornfeldern der Wetterau leuchtet es rotblau. Keine Blumen, sondern gigantische Firmenschilder des Pharmaherstellers Stada in Bad Vilbel. Sie signalisieren rasantes Wachstum. Während das Unternehmen einen ausländischen Wettbewerber nach dem anderen schluckte, schossen zwischen den S-Bahn-Gleisen und der Bundesstraße 3 nach Frankfurt verspiegelte Industriebauten in die Höhe. Jetzt könnte der blaue Firmenschriftzug unter rotem Bogen selbst Opfer einer Übernahme werden.

Stada-Chef Hartmut Retzlaff arbeitet in einem der Glasbauten. Sein Büro erstreckt sich über die obersten zwei Stockwerke der Firmenzentrale. Mit schwarzen Ledersofas, Freitreppe und Bücherschränken ausgestattet, wirkt es eher wie ein Wohnzimmer. Gemütlichkeit kommt jedoch nicht auf – die durchgestylte Innenarchitektur erinnert an die Atmosphäre eines amerikanischen Wirtschaftsthrillers mit Michael Douglas in der Hauptrolle.

Das Ambiente passt. Wie viele US-Manager ist der in der Nähe von Gießen geborene Retzlaff ein geborener Verkäufer. Zielstrebig arbeitet sich der frühere Pharmavertreter nach oben, übernimmt nach einer Zwischenstation bei Abbott 1986 die Leitung von Marketing und Vertrieb bei Stada. 1994 wird er Vorstandschef – die hessische Variante des amerikanischen Traums.

Auch der Markt, in dem Stada tätig ist, veramerikanisiert zunehmend. Mitte der 70er-Jahre hatte die Apothekergenossenschaft begonnen, so genannte Generika herzustellen, Medikamente, deren Patentschutz abgelaufen ist. Nach dem Vorbild der US-Firma Ivax und dem deutschen Vorreiter Ratiopharm vertreibt Stada die Generika deutlich billiger als die Originalpräparate.

Als Retzlaff das Ruder übernimmt, ist das Geschäftsmodell in Europa weitgehend unbekannt. Retzlaff ist Taktiker und versteht es, den Vorsprung zu nutzen. Er baut Stada zu einem Konzern mit Vertriebstöchtern in fast allen europäischen Ländern und in Asien aus. In vielen Märkten hat das Unternehmen maßgeblich mitgewirkt, dass Generika überhaupt verordnet werden.

Investoren sind beeindruckt von Retzlaffs forschem Kurs. Seit seinem Amtsantritt hat sich der Umsatz auf 1,2 Mrd. Euro verzwölffacht. Und während Stadas Verschuldung wegen der vielen Zukäufe auf ein für Pharmaunternehmen ungewöhnlich hohes Niveau klettert, kennt der Aktienkurs trotzdem nur eine Richtung– die nach oben.

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