Stadtplan-Erbe Alexander Falk war einst Star der New Economy – Morgen wird ihm der Prozess gemacht
Glücksritter am Boden

Einst galt Alexander Falk als gern gesehener Gast des Hamburger Geldadels: Multimillionär, Besitzer von Sportwagen, einer Segelyacht und einer weißen Villa im noblen Hamburger Stadtteil Pöseldorf.

HAMBURG. Dabei zeigt „Sascha“ – wie ihn Freunde nach dem russischen Kosenamen für Alexander rufen – keine arroganten Allüren: Auf Partys ist der 35-Jährige eher diskret und verschlossen. „Er wirkt wie ein schüchterner Blankeneser Junge“, urteilt ein Freund.

Doch diese Zurückhaltung hat er inzwischen aufgegeben. Sicherlich liegt es auch daran, dass sich seine Lebensumstände geändert haben. Seit 17 Monaten sitzt er wegen Betrugsvorwürfen in Zusammenhang mit dem Verkauf seiner Internetfirma Ision in Untersuchungshaft. Aus Wut auf die Hamburger Staatsanwaltschaft meldete sich der Mann mit dem Lockenkopf und der schmalen Statur vor drei Wochen aus dem Untersuchungsgefängnis zu Wort. In einem 24-seitigen Schreiben bezeichnet er die Staatsanwaltschaft als „skandalös und dilettantisch“ und seine Inhaftierung als „Geständniserzwingungshaft“. Nach einem Bericht der Wochenzeitung „Die Zeit“ wollte Falk sogar aus Deutschland fliehen, falls er auf freien Fuß gekommen wäre. In einem Kassiber habe er aus dem Gefängnis heraus einen Falk-Manager gebeten, einem deutschen Anwalt dabei zu helfen, seine Flucht vorzubereiten.

Morgen kann er seine Wut dem zuständigen Richter Nikolaus Berger direkt ins Gesicht sagen. Denn an diesem Freitag beginnt am Hamburger Landgericht der Prozess um eines der „größten Betrugsmanöver des Neuen Markts“ („Spiegel“). Gerichtsbeobachter gehen davon aus, dass das Verfahren bis Mitte nächsten Jahres laufen wird, weil 76 Zeugen gehört werden müssen. Die Anklageschrift umfasst knapp 300 Seiten. Darunter: Betrug in einem besonders schweren Fall, Kursmanipulation in zwei Fällen sowie Steuerhinterziehung. Der geschätzte Schaden beträgt 46,7 Millionen Euro.

Dreh- und Angelpunkt sind die Hamburger Ision AG und die britische Energis. Falk hatte die Gesellschaft 1999 von der Essener Thyssen-Krupp AG für 38 Millionen Euro erworben. Der gebürtige Hamburger baute den Zugangsanbieter für das Internet schnell zu einem führenden deutschen Dienstleister vornehmlich für Großfirmen auf.

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