Stahlbranche
In Vaters Fußstapfen

Als Finanzvorstand ist Aditya Mittal nicht der erste Mann an Deck des Branchen-Flaggschiffs Arcelor-Mittal, diese Rolle nimmt noch der Vater ein. Aber längst bestimmt der Junior die Fahrtrichtung des weltgrößten Stahlkonzerns. Nun muss Aditya Mittal sich in der Krise beweisen.

DÜSSELDORF. Zieht man einen Vergleich aus der Schifffahrt heran, dann ist Lakshmi Mittal der Kapitän und sein Sohn Aditya Mittal der erste Offizier. Als Finanzvorstand ist der Spross zwar nicht der erste Mann an Deck des Branchen-Flaggschiffs Arcelor-Mittal, diese Rolle nimmt noch der Vater ein. Aber längst bestimmt der Junior die Fahrtrichtung des weltgrößten Stahlkonzerns.

Trotz seines für einen Spitzenmanager jungen Alters von 33 Jahren unterschätzt ihn niemand mehr. Denn hinter der Fassade des College-Studenten steckt ein detailverliebter Zahlenmensch. Bei Fragen nach einzelnen Bilanzposten antwortet er wie aus der Pistole geschossen. "Aditya Mittal hat die Zahlen voll im Griff, und das ist gut in diesen Zeiten", sagt Hermann Reith von der BHF-Bank.

Seit 2004 verantwortet der smarte Manager die Finanzen des Konzerns. Kein anderer Manager seines Alters dürfte schon so viele Akquisitionen eingefädelt und umgesetzt haben: mindestens fünfzig an der Zahl. Der größte Coup gelang dem Mittal-Clan im Jahr 2006 mit dem Kauf der europäischen Arcelor. Kein leichtes Unterfangen: Gegen die Pläne formierte sich eine Phalanx von Politik, Gewerkschaften und nicht zuletzt dem Arcelor-Vorstand.

Bekanntlich setzte sich die Familie Mittal durch, auch und gerade weil sie sich nicht provozieren ließ. Im heftigsten Kampfgetümmel blieb Aditya Mittal freundlich, überging despektierlich gemeinte Hinweise auf seine indische Abstammung. Der Langstreckenläufer wusste, dass er siegen würde, teilte er doch die Vision seines Vater, den weltweit größten Stahlkocher zu formen. Und auch wenn Lakshmi Mittal in vorderster Reihe stand, so ließ er nie einen Zweifel daran, wer sich den kühnen Plan ausgedacht hatte: Sein Sohn.

Aditya Mittal sieht sich nun mit seinem Dickschiff in schwerer See: Die Nachfrage nach Stahl ist eingebrochen. Um die Auswirkungen abzufangen, hat der Konzern seinen Ausstoß um ein Drittel gesenkt. Für den Gewinn bleibt das nicht ohne Folgen. Zwar wird Aditya Mittal heute für 2008 ein Rekordergebnis ausweisen. Doch die Bilanz für das Schlussquartal wird verheerend ausfallen. Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht.

Die Daten landen alle in London auf dem Tisch von Aditya Mittal. Von hier steuert er das Imperium, um sich geschart eine kleine Mannschaft von Spitzenkräften. Im Büro steht immer ein gepackter Koffer, damit Mittal zügig zu den fernen Konzerntöchtern aufbrechen kann.

Sollte er die Krise meistern, dürfte Aditya Mittal die Konzernführung bald auch formal übernehmen. Der Junior spielt zwar öffentlich auch mal mit dem Gedanken, vielleicht was ganz anderes zu machen. Doch das ist kaum denkbar: Sein Wissen ist für den Konzern unverzichtbar. Zudem sind er und andere Mitglieder der Familie mit Milliarden an Arcelor-Mittal beteiligt. Dass einiges davon mit dem Verfall der Aktie weggeschmolzen ist, dürfte der Manager verschmerzen können.

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