Stanley O’Neal
Merrill-Chef steht vor dem Rücktritt

Der Chef von Merrill Lynch, Stanley O?Neal, gibt auf. Nach Informationen des "Wall Street Journal" hat der 56-jährige O?Neal sich auf Druck des Verwaltungsrats entschieden, von seinem Posten zurückzutreten. Demnach verhandelt das Führungsgremium nur noch über die Einzelheiten der Abfindung und berät bereits über einen Nachfolger an der Konzernspitze.

tor NEW YORK. O?Neal wäre der erste Wall-Street-Chef, der über die Finanzkrise stolpert. Merrill Lynch musste vergangene Woche 8,4 Mrd. Dollar abschreiben, den Großteil davon auf riskante Hypothekenprodukte. Analysten rechnen mit weiteren Wertberichtigungen von etwa vier Mrd. Dollar im laufenden Quartal. Die Verluste dürften O?Neal nicht nur den Job kosten, sondern haben die fast 100 Jahre alte Investmentbank auch zu einem Übernahmekandidaten gemacht.

Nach einem Bericht der "New York Times" hat sich der Verwaltungsrat des Brokerhauses nach einer Sondersitzung am Wochenende entschlossen, den 56-jährigen Manager abzuberufen. O?Neal selbst soll bereits Freunden gegenüber das Ende seiner Karriere bei Merrill angedeutet haben. Als Favorit für die Nachfolge an der Konzernspitze gilt Laurence Fink, Chef des Vermögensverwalters Blackrock, an dem Merrill mit 49 Prozent beteiligt ist. Die Bank wollte sich zu den Personalspekulationen nicht äußern.

"Seine Zeit ist um", sagte James Cullen, Präsident der Investmentgesellschaft Schafer Cullen, der Nachrichtenagentur Bloomberg mit Blick auf O?Neal. Spekulationen über einen Führungswechsel und eine mögliche Übernahme der Bank hatten die Aktie von Merrill am Freitag um fast neun Prozent nach oben getrieben.

O?Neal wäre der erste Wall-Street-Chef, der über die Finanzkrise stürzt. Merrill hatte in der vergangenen Woche Abschreibungen von insgesamt 8,4 Mrd. Dollar für das dritte Quartal bekannt gegeben. Das meiste davon ging auf das Konto von ebenso komplexen wie riskanten Hypothekenprodukten. Ein Geschäft, in das O?Neal die Bank geführt hatte.

Dem Merrill-Chef wird nicht nur angekreidet, dass sein Risiko-Management versagt hat. Für Verärgerung sorgte auch, dass die Bank ihre Verluste aus der Subprime-Krise innerhalb von drei Wochen um mehr als drei Mrd. Dollar erhöhen musste. Analysten rechnen mit weiteren Abschreibungen in Höhe von vier Mrd. Dollar im laufenden Quartal. Das Fass zum überlaufen brachte offenbar, dass O?Neal ohne Rückendeckung des Führungsgremiums Fusionsgespräche mit der Geschäftsbank Wachovia aufgenommen hatte.

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