Stanley O'Neal stolpert über Finanzkrise
Merrill-Chef geht, Gefahr bleibt

Stanley O?Neal gibt auf. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat am Dienstag mitgeteilt, dass der Vorstandschef seinen Posten mit sofortiger Wirkung räumt. Zuvor hatte das Institut 8,4 Mrd. Dollar abschreiben müssen - meist auf riskante Hypothekenprodukte. O?Neal ist damit der erste Wall-Street-Chef, der über die Finanzkrise stolpert.

tor/HB NEW YORK. Die Amtsgeschäfte und die Suche nach einem neuen Vorstandschef soll von dem Verwaltungsratsmitglied Alberto Cribiore geführt werden. Der Manager werde zudem den Ausschuss leiten, der über die endgültige Nachfolge von O'Neal entscheiden soll. Der Finanzkonzern sucht nach eigenen Angaben nun intern wie auch extern nach geeigneten Kandidaten. Die Aktie von Merrill Lynch verlor an der Wall Street 2,7 Prozent auf 65,61 Dollar.

Die Trennung kommt alles andere als unerwartet. Schon seit Tagen war nach den höher als erwarteten Belastungen der Bank im Zuge der US-Hypotheken- und Kreditkrise mit einer Ablösung O'Neals gerechnet worden. Der 56-Jährige war unter Druck geraten, weil er die Auswirkungen der US-Hypothekenkrise auf die Bank unterschätzt hatte. Unter seiner Ägide schrieb Merrill Lynch den größten Quartalsverlust seit der Gründung vor 93 Jahren. Das Geldinstitut musste 8,4 Mrd. Dollar abschreiben, den Großteil davon auf riskante Hypothekenprodukte. Analysten rechnen mit weiteren Wertberichtigungen von etwa vier Mrd. Dollar im laufenden Quartal. Nicht nur, dass die Verluste O?Neal den Job gekostet haben - sie haben das größte Brokerhaus der Welt auch zu einem Übernahmekandidaten gemacht.

Analysten zeigten sich von dem Rücktritt O'Neals nicht überrascht: "Merrill Lynch hat im Risikomanagement daneben gegriffen und einer musste jetzt den Kopf dafür hinhalten", sagte David Killian von Stoneridge Investment Partners. William Larkin von Cabot Money fügte hinzu: "Das war nur der erste Teil. Jetzt geht es darum, wie die Bank den Wechsel verkraftet."

O'Neal hatte vergangene Woche die Verantwortung für die rund acht Mrd. Dollar schweren Wertberichtigungen übernommen, die im Zuge der US-Hypothekenkrise entstanden waren. Es waren über drei Mrd. Dollar mehr, als die US-Bank erst zwei Wochen zuvor vorhergesagt hatte. Merrill musste deshalb im dritten Quartal einen Verlust von 2,3 Mrd. Dollar ausweisen - der höchste seit ihrer Gründung vor 93 Jahren. Unter Druck waren auch der Co-Präsident der Bank, Ahmass Fakahany, und der Investmentbanker Greg Fleming geraten. Wie Merrill Lynch erklärte, sollen die beiden aber weiter an Bord bleiben.

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