Star-Investor Bill Gross
Ein König verfällt in Depression

Als die US-Regierung in der vergangenen Woche mit 4,4 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote seit mehr als fünf Jahren meldete, sorgte das auf den Märkten für amerikanische Staatsanleihen für ein kleines Erdbeben. Zu jenen Investoren, die von den robusten Arbeitsmarktdaten auf dem falschen Fuß erwischt wurden, gehört auch Bill Gross, der „Bond-King“.

NEW YORK. Die Kurse gerieten ins Trudeln, und die Verzinsung der zehnjährigen US-Treasuries kletterte innerhalb kurzer Zeit um zwölf Basispunkte auf 4,715 Prozent. Es war der stärkste Kursrutsch an den Bondmärkten seit mehr als einem Jahr.

„Der Markt rudert zurück“, kommentierte Michael Cheah, Vermögensverwalter beim US-Versicherer AIG, die heftige Reaktion. Hatten die Bondhändler bis dato auf eine baldige Zinssenkung der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) und damit auf eine Bond-Rally gewettet, werfen sie jetzt ihre Prognose über den Haufen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Lockerung der Zinszügel bis März 2007 ist an den Terminmärkten von zuvor 100 auf nur noch 17 Prozent gesunken. Die Hoffnungen der Anleihehändler auf ein anhaltendes Kursfeuerwerk im nächsten Jahr hat somit einen kräftigen Dämpfer erhalten.

Zu jenen Investoren, die von den robusten Arbeitsmarktdaten auf dem falschen Fuß erwischt wurden, gehört auch Bill Gross. Der Chef des weltgrößten Bondhändlers Pacific Investment Management Company – die Allianz-Tochter wird kurz Pimco genannt – sagt seit Monaten eine Lockerung der Geldpolitik in den USA voraus. Bis auf 4,5 Prozent sollen die Leitzinsen im nächsten Jahr sinken. Jetzt sieht es so aus als ob der Zinssatz noch lange auf dem derzeitigen Niveau von 5,25 Prozent bleiben würde. Selbst eine nochmalige Erhöhung der Leitzinsen erscheint angesichts des Inflationsdrucks nicht ausgeschlossen. Gross zeigt sich unbeeindruckt und bleibt bei seiner Prognose.

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass der 62-jährige Fondsmanager eine ähnliche Prophezeiung kleinlaut zurücknehmen musste. Im Mai räumte er freimütig ein, dass die stark wachsende Weltwirtschaft die Renditen an den Anleihemärkten auf eine für ihn unerwartete Höhe getrieben hatte. „Mein Fehler“, gestand der „König der Bondmärkte“ auf der Pimco-Webseite. Ein ungewohntes Geständnis für den Perfektionisten, der als Chef-Investor von seiner Kommandozentrale im Pimco-Hauptquartier in Newport Beach/Kalifornien aus ein Vermögen von mehr als 641 Mrd. Dollar steuert.

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