Staranwalt Brad Karp
Der Wadenbeißer

Die Citigroup saß im Schlamassel. Dubiose Investitionen für Tausende von Kunden in den Korruptions-Companies Enron und World.com ließen einen Dauerhagel von Zivilklagen auf die Investmentgruppe niederprasseln – und trieben die Firma an den Rand des Ruins. Staradvokat Brad Karp, einer der prominentesten Anwälte der USA,. bewahrte die Citigroup vor dem Schlimmsten. Ein Porträt.

NEW YORK. „Wir brauchten einen juristischen Supermann. Und mit Brad Karp wurde uns so ein Superheld direkt vor die Haustür gesetzt“, heißt es bei der Citigroup heute. Brad Karp, 46, ist einer der Chef-Prozessanwälte der New Yorker Wirtschaftskanzlei Paul, Weiss, Rifkind, Wharton & Garrison. Mehrfach ausgezeichnet und vom renommierten US-Fachblatt „The American Lawyer“ im vergangenen Jahr als einer der „besten Anwälte in den USA“ gepriesen, erwies sich der zweifache Familienvater tatsächlich als Glücksgriff für die Citigroup. Eine Zehn-Milliarden-Dollar-Klage von Dynegy gegen die Investmentgruppe wurde dank Karps grandioser Schachzugstrategie vom Gericht abgewiesen. Und geschätzte 60 Milliarden Dollar für Aktionäre, die ihr Geld durch Fehlspekulationen des mittlerweile berühmt berüchtigten Analysten Jack Grubman verloren hatten, schrumpften auf einen Vergleich von rund 30 Millionen Dollar zusammen – erneut war Karps Taktik ausschlaggebend für den Erfolg.

„Brad Karp ist einer der Anwälte, der wie ein Simultan-Schachspieler auch bei einer Anhäufung von Partien nie die Übersicht verliert und scheinbar immer den nächsten Zug weiß“, urteilt sein Kollege P.J. Mode.

Aufgewachsen ist der Staranwalt als Kind zweier Anwälte in Long Island. Auch Karps Großvater war Jurist, und so schien es fast logisch, dass auch Brad Karp in die beruflichen Fußstapfen seiner Eltern treten würde. Schon als Teenager in der High School engagierte sich der begeisterte Rollerblades-Fan im „Debattier-Club“. Das Debattieren und das Fachsimpeln „gehört zu seinen Lieblingsbeschäftigungen“, berichtet auch Karps Ehefrau Sheryl.

Brad Karp selbst machte als Top-Anwalt das erste Mal auf sich aufmerksam im Herbst 1985. „Damals war ich im zweiten Jahr Anwalt bei Paul, Weiss, als ich einen Anruf von Arthur Liman bekam“, erinnert sich der heute 46-Jährige. Liman, der vor neun Jahren verstarb, zählte zu den prominentesten Anwälten in den USA. Er leitete etwa die vom US-Kongress eingeleitete Untersuchung im Iran-Contra-Skandal. Der legendäre Prozessanwalt brauchte Karp für ein „Stunden-Projekt“. Das Stunden-Projekt stellte sich als Repräsentant der Pennzoil Company in deren epischem Kampf gegen Texaco heraus. „Der Fall beschäftigte uns vier Jahre, und wir holten ein 10,5 Milliarden-Urteil für Pennzoil heraus“, so Karp stolz. Seit diesem sensationellen Urteil stieg der New Yorker quasi über Nacht zu den Stars unter den Wirtschaftsanwälten auf.

Karp erwarb sich eine Reputation als Wadenbeißer, der auch heute noch – wie er selbst zugibt – „18 bis 20 Stunden am Tag im Büro verbringt, um jedes Detail in einer Klage genauestens vorzubereiten“. Die Familie kommt bei einer solch heftigen Arbeitslast deshalb „leider oft zu kurz“, bedauert Karp. Ein Mal im Jahr, jeden Dezember, fliegt der Anwalt deshalb mit Frau und Kindern nach Maui in Hawaii. „Und ich habe es bisher jedes Jahr geschafft, keinen Aktenordner mit auf die Insel zu nehmen“, scherzt Karp.

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