Starbankerin muss Konsequenzen ziehen
WestLB braucht Saunders nicht mehr

Für Robin Saunders läuft die Zeit bei der WestLB ab. Monatelang war über den Abgang der US-Investmentbankerin spekuliert worden. Es ist jetzt so gut wie beschlossen, dass die Frau, die einst als „Antwort der Londoner City auf Claudia Schiffer“ bezeichnet wurde, bald nicht mehr für die britische Dependance der WestLB arbeiten wird.

HB DÜSSELDORF. Die Londoner Abteilung hatte den missratenen Deal mit dem TV-Verleiher Boxclever eingefädelt, der die Düsseldorfer Bank tief in die roten Zahlen riss: Wertberichtigungen von rund 700 Millionen Euro wurden notwendig. Und nach einem Rekordverlust in 2002 droht der WestLB dieses Jahr erneut ein Milliardenverlust.

Das Boxclever-Engagement rief die Finanzdienstleistungsaufsicht auf den Plan. Sie deckte drastische Mängel in den Risikokontroll-Systemen der Bank auf. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue gegen ehemalige und aktive Manager der neuntgrößten deutschen Bank. Im Visier der Fahnder sind angeblich neben Saunders die Ex-WestLB-Chefs Jürgen Sengera und Friedel Neuber sowie Interimschef Johannes Ringel.

Über Jahre sonnte sich die WestLB im Glanz ihrer Starbankerin. Das von ihr geleitete Investment-Geschäft brachte satte Gewinne. Wie groß das Risiko einzelner Aktivitäten war, interessierte nur am Rande. Als es gut lief, wurde Frau Saunders lieber mit einem zweistelligen Millionensalär gehätschelt. In einer notorisch diskreten Branche durfte sie Deals öffentlich ausplaudern, die nicht einmal unterschriftsreif waren. Und offenbar blockte sie die wenigen kritischen Fragen in der Bank mit dem ihr eigenen Charme ab oder, wo das nicht half, mit einer gehörigen Portion Aggressivität. Zuletzt hatte die Bank ihren Star allerdings kaltgestellt. Gebraucht wurde sie nur noch für die Abwicklung des Geschäfts. Bei Boxclever wird jetzt aufgeräumt. Nun muss Saunders gehen, ohne Abfindung, wie es in Finanzkreisen heißt – aber nicht mit leeren Händen. Die Bank gibt wohl blockierte Bonuszahlungen von bis zu drei Millionen Euro frei.

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