Starke Konzernspitzen
Zurück zur zentralen Führung

Siemens-Chef Peter Löscher überraschte durch sein hartes Durchgreifen in der eigenen Führungsriege. Zugunsten von mehr Transparenz zog Löscher seine Linie durch – und steht mit diesem Vorgehen nicht mehr allein: Ob RWE, Siemens oder VW, die Konzernspitzen ziehen wieder die Zügel an. Kündigt sich die nächste Trendwende an?

DÜSSELDORF. Jürgen Großmann nimmt die Zügel fester in die Hand. Vorige Woche ließ sich der RWE-Chef vom Aufsichtsrat eine neue Konzernstruktur absegnen. Der Umbau des Energieriesen hat vor allem ein Ziel: mehr Verantwortung in der Konzernspitze, weniger Macht für die Zwischenholdings, in denen RWE das operative Geschäft gebündelt hat. Deren weitere Existenz ist unsicher: Im ersten Schritt bindet Großmann die Rechts- und Strategieabteilungen der Töchter an die Essener Konzernzentrale. Und von dort aus leitet künftig Ulrich Jobs in der neu geschaffenen Position des Chief Operating Officers das Geschäft des Konzerns.

Was sich derzeit bei dem Energieriesen in Sachen Konzernorganisation abspielt, hat Vorbilder. Denn wer sich in der deutschen Unternehmenslandschaft umblickt, bemerkt: Zentrale Führung bekommt wieder mehr Gewicht in den Strategien. Ob Siemens, Volkswagen oder RWE: Konzerne siedeln Zuständigkeiten für Geschäftsbereiche und für Funktionen wieder ganz oben in der Hierarchie an. Das verwundert – heißt doch das strategische Mantra seit Jahren „Dezentralisierung“. Kündigt sich die nächste Trendwende an?

Aus Sicht von Alfred Kieser, Organisationsexperte und Professor an der Universität Mannheim, könnte dies schneller als geglaubt der Fall sein. Grundsätzlich gilt seiner Meinung nach weiterhin: Dezentrale Führung funktioniert in vielen Firmen gut, sie ermöglicht schnellere Entscheidungen und motiviert die Mitarbeiter besser – Vorteile, die sich besonders in Zeiten zunehmender Internationalisierung auszahlen.

Doch hat dezentrale Führung eine weitere Konsequenz: „Der Konzernspitze entziehen sich viele Dinge, die weiter unten in der Organisation passieren“, sagt Kieser. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Oft sind Pannen und Krisen Grund dafür, dass Unternehmen ihre Organisation straffen und das oberste Konzernmanagement wieder stärker in die Verantwortung genommen wird.

So geschieht es bei Siemens: Jahrzehntelang waren zehn eigenständige Bereiche für das operative Geschäft zuständig. Darüber thronte der Zentralvorstand zwar als Machtzentrum, das aber die Einheiten nur „betreute“ und bedingt Durchgriff auf sie hatte. Siemens-Chef Peter Löscher stampft die Struktur nun auf drei Bereiche zusammen und nimmt diese an die kürzere Leine: Die verantwortlichen Spartenchefs sitzen künftig im neu geformten Konzernvorstand. Grund für die Straffung ist vor allem der Korruptionsskandal, den Siemens erschütterte. Das Unternehmen soll künftig transparenter sein und besser kontrollierbar.

Auch beim Luftfahrtkonzern EADS löste eine Krise den Umbau aus: Die milliardenteuren Verzögerung bei der Auslieferung der A380 führte dazu, dass zentrale Funktionen wie Einkauf und Entwicklung im Gesamtkonzern künftig wieder zentralisiert werden.

Seite 1:

Zurück zur zentralen Führung

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%