Stefan Jentzsch:
Der Beziehungsbanker

Stefan Jentzsch will es noch einmal wissen. Der ehemalige Chef von Dresdner Kleinwort, der Investmentbank der Dresdner Bank, startet als Partner bei Perella Weinberg. Das Institut gilt als Sammelbecken für das „Who is Who“ im Investment-Banking. Viele Top-Leute fanden seit der Gründung Mitte 2006 hier eine neue Heimat – nun auch Jentzsch.

FRANKFURT. Es gibt nur wenige deutsche Banker, die so umstritten sind wie Stefan Jentzsch. Aus gutem Grund, seine Bank fuhr in der Krise Milliardenverluste ein. Das schmerzt, genauso wie die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank und die Diskussionen über die Dresdner-Investmentbanker als Gierhälse der Nation. Daran ändert auch nichts, dass sein Abgang inzwischen knapp ein halbes Jahr her ist. „Dieses Kapitel werde ich wohl kaum jemals vollständig abschließen“, sagt er mit ernster Miene. Es sei ihm unter die Haut gegangen, wie die Öffentlichkeit ihn behandelt habe. Beschreibungen wie „der gierige Samariter“ gingen unter die Gürtellinie.

Und dass er daran noch zu kauen hat, macht der 48-Jährige deutlich. „Ich habe keine Abfindung erhalten und werde auch keine erhalten“, wie sie viele Banker aus dem auf Druck der Aufsichtsbehörden in England und Deutschland aufgesetzten Bonustopf von 400 Millionen Euro verlangten. Sein Vertrag sei ausbezahlt worden. Punkt.

Diese Millionen hat Jentzsch aber nicht in die eigene Tasche gesteckt, als er die Bank verließ. Die in Spekulationen genannten, unbestätigten 7,5 Millionen Euro flossen in eine Stiftung, die sich „Respekt“ nennt und Einrichtungen sowie Aktivitäten für Kinder unterstützt, die ins Drogenmilieu abgestürzt sind. Mehr will der Banker aus Ludwigshafen nicht sagen. Zu stark haben die Schlagzeilen seiner Stiftung schon geschadet, die natürlich auch auf Hilfe von außen angewiesen ist. Sein Geld allein reicht auf Dauer nicht.

Für die Stiftung wird ihm nicht mehr allzuviel Zeit bleiben. Zusammen mit Dietrich Becker, dem zweiten für Deutschland zuständigen Partner bei Perella, soll er von London aus das Geschäft in der Heimat vorantreiben und seine Stärken auch international einbringen. Becker agiert im Industriebereich und berät etwa den Autozulieferer Continental im Fall Schaeffler. Anders Jentzsch, er ist natürlich in der Finanzindustrie als ehemaliger Vorstand der Hypo-Vereinsbank und Partner von Goldman Sachs bestens verdrahtet. Aber der selbstbewusste, faire Banker, der sich selbst in seinem Berufsleben immer treu geblieben ist, kennt sich etwa auch im Bereich Telekommunikation gut aus. Bei Goldman betreute er die Privatisierung der Deutschen Telekom.

Seite 1:

Der Beziehungsbanker

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%