Stefan Jentzsch
Der kühle Analytiker

Zumindest eines haben der alte und der neue Chef der Investment-Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) gemeinsam: Beide lieben Ferraris. Doch dieses Hobby wird Andrew Pisker und Stefan Jentzsch nicht mehr zu Freunden machen. Denn Jentzsch verdrängt den Briten aus dem Vorstand der Dresdner Bank.

Seit gestern ist es amtlich: Dresdner-Chef Herbert Walter erledigt auf Wunsch der mächtigen Mutter Allianz was die meisten Konkurrenten längst hinter sich haben: Er vereinigt Firmenkundengeschäft und Investment-Banking. Neuer Chef der Einheit wird Jentzsch – der Mann, der bis vor kurzem noch das Investment-Banking der Hypo-Vereinsbank (HVB) leitete. Pisker räumt seinen Posten.

Im Gegensatz zum charismatischen Briten bekommt DrKW jetzt einen Chef, der eher typisch deutsche Tugenden verkörpert: Gradlinigkeit und Durchsetzungsfähigkeit. Der passionierte Bergsteiger Jentzsch gilt als abgeklärter Analytiker, intellektuell brillant, aber auch ein wenig unterkühlt.

Dass Jentzsch zur Dresdner wechselt, ist für viele noch immer eine Überraschung. Immerhin zählte er zu den wenigen deutschen Gewinnern der Übernahme der HVB durch die italienische Großbank Unicredito. Jentzsch sollte die Führung des gesamten Investment-Bankings des neuen Instituts übernehmen. Doch Unicredito-Chef Alessandro Profumo wollte seinen Bereich zur Produktionsmaschine für das eigene Firmen- und Privatkundengeschäft degradieren. „Dafür stand Jentzsch nicht zur Verfügung“, erzählt ein Vertrauter.

Als der prominente Abgang bei der HVB vor zwei Wochen durchsickerte, hatte Jentzsch ausreichend Sicherheitsabstand zwischen sich und die Aufregung in München gebracht. Er lief an jenem Wochenende den New-York-Marathon. Dass die Allianz auf Jentzsch als Kandidaten für die neue Führungsposition verfiel, ist kein Zufall. Immerhin sitzt im Vorstand des Versicherers mit Paul Achleitner ein alter Kollege. Unter der Ägide von Achleitner startete Jentzsch seine Karriere bei der Investmentbank Goldman Sachs. Jetzt hofft Achleitner, dass der gebürtige Ludwigshafener, der Vater war Vorstand bei BASF, bei der Dresdner das Gleiche schafft wie bei der HVB, die er im Wertpapierhandel, bei der Übernahmefinanzierung und bei der Platzierung von Anleihen stark gemacht hat. Sein Bereich Corporates & Markets erreichte eine Eigenkapitalrendite von rund 30 Prozent.

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