Stefan Krause: Der Geldbeschaffer der Deutschen Bank

Stefan Krause
Der Geldbeschaffer der Deutschen Bank

Deutsche-Bank-Finanzvorstand Krause hat eine Mammutaufgabe vor sich: Für den Postbank-Kauf muss der Manager Kapital einsammeln, und das nicht zu knapp. Ist er erfolgreich, wird sich der Deal auch für ihn rechnen.
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FRANKFURT. Ruhig und konzentriert - so kennen ihn kritische Analysten und Investoren der Deutschen Bank. Aber in diesen Tagen geht der Puls von Stefan Krause schneller. Der Finanzvorstand des größten deutschen Geldhauses hat eine Herkulesaufgabe vor sich. Der 47-jährige "Chief Financial Officer" muss die rekordhohe Kapitalerhöhung über geschätzte neun Milliarden Euro stemmen, mit denen der Branchenprimus unter den heimischen Kreditinstituten die Übernahme der Postbank finanzieren will. "Das wird sein Meisterstück", meinte ein Beobachter.

Zunächst muss der in Kolumbien geborene Manager in den nächsten Wochen aber Kärrnerarbeit leisten, um die Investoren von seinem Schachzug zu überzeugen. "Roadshows" durch alle Zeitzonen stehen auf der Agenda, denn die Pensionskassen in den USA und die Staatsfonds im Nahen Osten wollen wissen, warum der Kapitalhunger der Bank so groß ist und ob sich das Investment lohnt. "Wenn Krause das ordentlich hinbekommt, empfiehlt er sich in der Bank auf alle Fälle für Größeres", meint ein Top-Banker.

2008 kam er von BMW

Größeres kann dabei nur Höheres heißen: die absolute Spitze, den Vorstandsvorsitz, den derzeit der Schweizer Josef Ackermann innehat. Zwar gilt dessen Star-Investmentbanker Anshu Jain als gesetzter Nachfolger, aber eine Doppelspitze ist ebenfalls noch in der Diskussion. Krause sei machtbewusst und werde eine noch bessere Ausgangsposition im Rennen um die Nachfolge haben, wenn er die Kapitalerhöhung durchgezogen hat, meint man in Frankfurt.

Dabei tat sich Krause nach seinem Wechsel zur Deutschen Bank im Jahr 2008 zunächst eher schwer, anfangs fremdelte er mit der neuen Kultur. Fast sein gesamtes Berufsleben hatte er bei BMW verbracht, heute verbindet ihn nur noch eine Modellautosammlung mit den früheren Zeiten. Krause hatte in München eine steile Karriere hingelegt, intern nicht unumstritten waren aber seine Strategie zur Währungsabsicherung und seine Einschätzung zur Dollar-Schwäche. Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig hatte ihn zum Branchenwechsel überreden können.

Stratege mit Blick fürs Detail

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise musste Krause in das Zahlenwerk der Bank eintauchen, das an Komplexität kaum zu überbieten ist. Doch Krause verschaffte sich Respekt, in den Präsentationen und Telefonkonferenzen zu den Ergebnissen der Bank wurde seine Stimme von Quartal zu Quartal fester. In den "Conference Calls" wird er regelmäßig von bis zu 70 Analysten "gegrillt", vor allem die angelsächsischen Experten wollen es dabei ganz genau wissen, wenn es um Risikopositionen oder den Verschuldungsgrad geht. "Er kennt sich bis in die kleinsten Details der Bilanz aus, verliert darüber aber nicht den strategischen Weitblick", sagt ein Insider. Schließlich fällt auch die "Abteilung für Konzernentwicklung" in sein Ressort. Krause ist kein nachgiebiger Mensch, sondern er fordere absolute Leistungsbereitschaft von seinen Mitarbeitern getreu dem Firmenmotto: "Passion to perform."

Krause gilt als Architekt des mehrstufigen Deals zur Übernahme der Postbank, den er zusammen mit Ackermann nach den Schockwellen an den Finanzmärkten eingefädelt hat. Als Folge der Lehman-Pleite musste er einmal nachbessern. Zum Vorteil der Bank. Seitdem hat er auch als "trouble-shooter" einen Namen, meint ein Investmentbanker. Wenn Krause seinen Job erledigt hat, fängt die Arbeit für zwei Mitbewerber um die Konzernspitze erst richtig an. Risikochef Hugo Bänziger und der für das Privatkundengeschäft zuständige Vorstand Rainer Neske müssen sich dann um die Integration der Postbank kümmern, die langwierig und anspruchsvoll sein wird. "Krause muss sich jetzt mächtig ins Zeug legen, aber am Ende wird es sich für ihn rechnen", heißt es im Umfeld des Vorstands.

Kommentare zu " Stefan Krause: Der Geldbeschaffer der Deutschen Bank"

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  • mir scheint dass der Machtkampf innerhalb der Deutsche bank in die Medien uebergetragen wird.

    Der Geschaeftsbereich von Postbank deckt sich meisttens mit Deutsche bank.Eine Synergie ist nicht deutlich.

    Mehr Filiale, damit naeher an Kleinen Kunde, das gehoert zu dem Auslaufmodell.

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