Stefan Larsson Ralph-Lauren-Chef tritt nach Streit zurück

Der Chef der US-Modefirma Ralph Lauren tritt überraschend ab. Es gab Meinungsverschiedenheiten mit dem Gründer. Mit einem Sparprogramm und kleinerer Kollektion soll die Rückkehr zu alten Erfolgszeiten gelingen.
Update: 02.02.2017 - 17:19 Uhr Kommentieren
Anleger reagierten schockiert auf den Rücktritt von Larsson, die Aktie fiel vorbörslich um über zehn Prozent. Quelle: AP
Ralph Lauren und Stefan Larsson (links)

Anleger reagierten schockiert auf den Rücktritt von Larsson, die Aktie fiel vorbörslich um über zehn Prozent.

(Foto: AP)

New YorkDer Chef des US-Modeunternehmens Ralph Lauren hat nach nur gut einem Jahr seinen Rücktritt eingereicht. Stefan Larsson werde den Spitzenposten am 1. Mai räumen, teilte die Firma am Donnerstag in New York mit. „Wir haben festgestellt, dass wir verschiedene Ansichten dazu haben, wie die kreativen und verbraucherbezogenen Bereiche des Geschäfts zu entwickeln sind“, erklärte Unternehmensgründer Ralph Lauren.

Einen Ersatz für Larsson gebe es noch nicht, die Suche nach einem Nachfolger laufe nun an. Interimsweise soll Finanzchefin Jane Nielsen das Zepter übernehmen.

Anleger reagierten schockiert, die Aktie fiel vorbörslich um über zehn Prozent. Auch die zeitgleich veröffentlichten Zahlen für das dritte Geschäftsquartal fielen durchwachsen aus. Die Erlöse sanken verglichen mit dem Vorjahreswert um zwölf Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar (1,6 Milliarden Euro). Der Überschuss ging von 131 auf 82 Millionen Dollar zurück. Besonders schlecht lief es mit einem Minus von 15 Prozent in Nordamerika. Den größten Einbruch erlebte der US-Konzern im Großhandelsgeschäft, das um ein Viertel absackte.

Beim Modekonzern mit Sitz in New York läuft es schon länger nicht mehr so gut wie in den Erfolgsjahren. So stieg der Umsatz 2015 nur knapp von 7,45 auf 7,62 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr sank er wieder auf das Niveau des Vorjahres.

Das sind Europas größte Modekonzerne
Platz 10: Calzedonia
1 von 10

Die Fachzeitschrift „TextilWirtschaft“ untersucht jedes Jahr die Umsätze der größten europäischen Bekleidungshersteller. Die Analyse zeigt: Der Markt steht vor großen Herausforderungen. Zwar konnten die meisten Konzerne wie zum Beispiel Calzedonia wachsen, doch die Krise in Russland und der Ukraine dürfte sich früher oder später in den Bilanzen niederschlagen.

Umsatz 2013: 1,60 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 1,85 Milliarden Euro
Veränderung: + 15,4 Prozent

Platz 9: Giorgio Armani
2 von 10

1975 gründete Georgio Armani das Modelabel Armani. Mittlerweile gehört der Konzern zu den Größten der Modebranche. Für Armani arbeiten rund 6500 Menschen. Neben Kleidungsstücken vertreibt Armani außerdem Home-Artikel und Parfüms. Seit 2002 verkauft der Konzern auch Konfiserie-Artikel sowie verschiedene Honig- und Marmeladensorten. Acht Jahre später entstand im Burj Khalifa in Dubai das erste Hotel im Armani-Stil.

Umsatz 2013: 1,75 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,00 Milliarden Euro
Veränderung: + 14,2 Prozent

Platz 8: Esprit
3 von 10

Ehemals etablierte Marken sind zu teuren Restrukturierungen gezwungen. So muss sich Esprit auf die Ansprüche der Kunden im digitalen Zeitalter einstellen, heißt es in der Studie von „TextilWirtschaft“. Auch Gerry Weber ist davon betroffen. Darüber hinaus leiden die Modekonzerne auch unter dem starken Dollar, der die Beschaffung verteuert. Esprit trifft es besonders hart. Bei keinem anderen Modekonzern in den Top-20 ist der Umsatz derart stark geschmolzen.

Umsatz 2013: 2,35 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,10 Milliarden Euro**
Veränderung: - 10,7 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/2015

Platz 7: Kering
4 von 10

Das französisch-italienische Modeunternehmen Kering dürften nur den Wenigsten bekannt sein. Doch mit Labels wie Puma oder Gucci erreicht der Konzern ansehnlich Umsätze. 2014 konnte Kering seinen Umsatz um knapp zwölf Prozent erhöhen.

Umsatz 2013: 2,13 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,38 Milliarden Euro
Veränderung: + 11,6 Prozent

Platz 6: Hugo Boss
5 von 10

damDie Edelmarke Hugo Boss ist das zweitgrößte Modeunternehmen Deutschlands. Gegründet wurde es 1924 in Metzingen durch Hugo Ferdinand Boss. Ursprünglich stellte Hugo Boss Berufskleidung her. Unrühmlich ist die Vergangenheit des Konzerns. Im Zweiten Weltkrieg stellte der Konzern die Uniformen für SA, SS und die Wehrmacht her. Dafür wurden unter anderem Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa eingesetzt. Erst nach dem Krieg und dem Tod des Gründers 1948 wurde Hugo Boss zum Modekonzern. Unter der Leitung von Hugo Ferdinand Boss' Schwiegersohn Eugen Holy begann das Unternehmen damit, Herrenanzüge herzustellen.

Umsatz 2013: 2,43 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,57 Milliarden Euro
Veränderung: + 5,8 Prozent

Platz 5: Tommy Hilfiger
6 von 10

Modedesigner Tommy Hilfiger rief 1984 in New York sein eigenes Modelabel ins Leben. Dass der Konzern im Ranking europäischer Modekonzerne gelistet ist, hat er seinem Firmensitz zu verdanken. Tommy Hilfiger sitzt seit 1997 in Amsterdam. 13 Jahre später wurde das Unternehmen durch den US-Konzern Phillips-Van Heusen übernommen.

Umsatz 2013: 2,56 Milliarden Euro*
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro*
Veränderung: + 5,3 Prozent

*Geschäftsjahr 2013/14
**Geschäftsjahr 2014/15

Platz 4: Christian Dior
7 von 10

Direkt nach dem Krieg gegründet, trug Christian Dior maßgeblich dazu bei, dass sich Paris als Modehauptstadt der Welt etablieren konnte. Insgesamt beschäftigt das Unternehmenskonglomerat über 100.000 Mitarbeiter. Für die Modesparte von Dior arbeiten knapp 3600 Menschen.

Umsatz 2013: 2,26 Milliarden Euro
Umsatz 2014: 2,70 Milliarden Euro
Veränderung: + 19,6 Prozent

Das Unternehmen wurde 1967 von Ralph Lauren in New York gegründet. Er wurde bekannt, als er in den 1970er-Jahren Schauspieler für Filme ausstattete, so etwa Robert Redford für „Der Große Gatsby“. Schließlich brachte er das Unternehmen 1997 an die Börse. Der heute 77-Jährige ist noch immer Chairman des weltweit tätigen Konzerns und hielt zuletzt rund 74 Prozent der Stimmrechte. Er gehört so zu den internationalen Größen in der Modebranche, die wie der 81-jährige Italiener Giorgio Armani in ihrer Lebenszeit große Modekonzerne aufgebaut haben. Ralph Lauren kämpft deshalb darum, sein Lebenswerk auch langfristig abzusichern.

Der Ralph Lauren Corporation geht es trotzdem besser als vielen US-Modekonzernen. So sind Unternehmen wie GAP, Abercrombie & Fitch und American Apparel in den vergangenen Jahren abgestürzt, weil sich die Konzepte überlebt haben. So schlecht geht es Ralph Lauren nicht, wenn auch im dritten Quartal der Nettogewinn und 32 Prozent auf 128 Millionen US-Dollar einbrach. Ralph Lauren hat bereits ein Programm gestartet, um die Kosten zu senken. So hat er die Kollektion deutlich verkleinert und zwölf Läden geschlossen.

  • wt
  • dpa
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