Stefan Lauer
Der fliegende Diplomat der Lufthansa

Personalvorstand Stefan Lauer muss die österreichische Fluggesellschaft AUA in die Lufthansa integrieren - ein schwerer Job.

FRANKFURT. Über eines kann sich Stefan Lauer, Vorstand der Lufthansa, sicherlich nicht beklagen: den Mangel an Baustellen, die er betreuen muss. Nicht zuletzt beim Tarifstreit mit den Piloten brodelt es seit einiger Zeit. Und bald könnte eine noch weitaus größere Aufgabe auf den hochgewachsenen Personalchef der zweitgrößten europäischen Fluggesellschaft zukommen: Er muss Austrian Airlines (AUA) integrieren.

Zwar ist die kartellrechtliche Genehmigung seit dem Wochenende so gut wie sicher. Noch aber fehlt die Genehmigung für die 500 Millionen Euro, die der österreichische Staat für AUA bereitstellen will. Experten rechnen allerdings auch hier mit dem Okay aus Brüssel.

Doch selbst, wenn diese Hilfe genehmigt wird - das, was auf Lauer wartet, ist eine Herkulesarbeit. Zumal der Lufthansa nach dem Gewinneinbruch im zweiten Quartal eine schlechtere Bonitätsnote droht. Die Ratingagentur Moody's teilte gestern mit, sie prüfe eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit von derzeit "Baa3".

Wie groß die Herkulesaufgabe ist, wird sich einmal mehr heute zeigen, wenn die AUA, die schon letztes Jahr mit Verlust abschloss, Halbjahreszahlen vorlegt.

Für den 54-Jährigen ist der Job Neuland, trotz seiner mittlerweile neun Jahre im Vorstand. Erst seit Anfang Juni verantwortet Lauer neben seinem Stammbereich Personal auch diejenigen Beteiligungen, die nicht direkt der Lufthansa Passage zugeordnet werden: die Swiss, Brussels Airlines, BMI, Germanwings, Sunexpress sowie Jetblue.

Die neue Aufgabe ist sicherlich ein Vertrauensbeweis für jenen Manager, der als potenzieller Vorstandschef galt, bis Swiss-Chef Christoph Franz im April zum designierten Nachfolger von LH-Chef Wolfgang Mayrhuber gekürt wurde. Der Job ist aber vor allem eine der größten und wichtigsten Management-Herausforderungen bei der Lufthansa. Die Integration der Beteiligungen, das ist die Basis für die künftige Wachstumspolitik der Lufthansa.

Zeit, für den neuen Job erst einmal Luft zu holen, hat Lauer kaum. Die Integration von Brussels läuft auf Hochtouren. Auch das Sorgenkind BMI beschäftigt den Manager bereits seit Wochen. Am liebsten, so ist aus LH-Kreisen zu hören, würde man das verlustreiche Engagement, das noch der frühere LH-Chef Jürgen Weber eingefädelt hat, wieder abgeben. Wie das am besten gelingen kann, daran bastelt Lauer derzeit.

Mit AUA droht nun eine Aufgabe von ganz anderer Dimension. Die Fluggesellschaft hat alleine das vergangene Geschäftsjahr mit einem Nettoverlust von fast 430 Millionen Euro abgeschlossen. Hinzu kommt ein riesiger Schuldenberg - ein Mammutprojekt. Erst in einigen Jahren, so schätzen Analysten, wird AUA wieder Gewinne erzielen. Dann, so die Hoffnung der Management-Spitze, soll die Ergebnis-Marge (Ebit) für die Branche beachtliche fünf bis sieben Prozent betragen. Vorbild ist die Swiss, das bislang einzige Unternehmen, das Lufthansa kaufte und integrierte, aber dies sehr erfolgreich.

Die Messlatte hängt also hoch. Doch für Lauer ist es eine lösbare Aufgabe. Das glauben zumindest Konzernkenner. "Er hat eine gute Mischung aus Moderationstalent und Härte, ein sehr gutes Gespür für die richtige Dosis an Diplomatie", beschreibt ein früherer Gewerkschaftler seinen Ex-Counterpart bei Tarifgesprächen.

Wer Lauer begegnet, trifft auf einen in der Regel ruhig und gelassen wirkenden Menschen. Ein leichtes Lächeln umspielt die Lippen, die Stimme ist leise, gleichwohl deutlich vernehmbar. Ein durch und durch umgänglicher Mensch, bestätigen Lufthanseaten.

Jedenfalls die meiste Zeit. Zuweilen kann auch der erfahrene Tarifpolitiker und Taktiker Lauer nicht an sich halten. Etwa wenn es um die in seinen Augen manchmal zu selbstbewussten Piloten im Konzern geht. In solchen Momenten trägt Lauer sein Herz auf der Zunge. Dann sagt er Dinge wie etwa den laut geäußerten Wunsch, "die meinungsfreudigen Piloten ein Stück zu entmachten".

Lauer ist ein Kämpfer mit Durchhaltevermögen. Allerdings einer, der auch weiß, wann es Zeit ist, die Friedenspfeife zu rauchen. So etwa im Frühsommer 2001, als Lauer, kaum bei Lufthansa in den Vorstand aufgerückt, mit Piloten konfrontiert wird, die wochenlang den Flugbetrieb lahmlegen. Es ist die bislang schwerste Tarifauseinandersetzung beim Kranich. Am Ende steht ein Kompromiss, der die Fluglinie zwar rund 100 Millionen Euro kostet, aber eben auch für den dringend notwendigen Tariffrieden sorgt.

Es ist wohl vor allem dieses gute Gespür, dem Lauer, Kunstliebhaber und dreifacher Vater, die zusätzlichen Aufgaben unter anderem bei AUA zu verdanken hat. Denn auch in Österreich geht es um eines: bessere Kostenstrukturen, vor allem beim Personal.

Das aber ist für Lauer alles andere als Neuland. Hier fühlt er sich auf sicherem Terrain. Gerade erst ist er zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) gewählt worden.

Eines seiner Lieblingsthemen: bei der Tarifauseinandersetzung in Deutschland englische Strukturen verhindern, also kleine, machtvolle, separatistische Gewerkschaften. Das aber ist eine ganz andere, nicht minder gewaltige Aufgabe.

Stefan Lauer

1955 Er wird am 24. März 1955 geboren. Stefan Lauer startet nach dem zweiten juristischen Staatsexamen 1983 beim Magistrat der Stadt Frankfurt. Er wird 1986 Leiter des Büros des Oberbürgermeisters und drei Jahre später Sonderbeauftragter der Wirtschaftsförderung Frankfurt.

1990 Er übernimmt bei der Lufthansa die Leitung der Abteilung Führungskräftebetreuung. Er leitet ab 1991 das Zentralbüro von Vorstandschef Jürgen Weber und ab 1994 die Strategische Konzern- und Organisationsentwicklung.

1997 Lauer wechselt zur Lufthansa Cargo AG, wo er zunächst Marketing- und Vertriebsvorstand wird.

2000 Lauer wird am 1. August Mitglied des Vorstands der Deutschen Lufthansa AG. Er führt heute das Konzern-Ressort Verbund-Airlines und Konzern-Personalpolitik und ist zugleich Arbeitsdirektor der Lufthansa AG. Darüber hinaus hat Lauer andere Aufgaben übernommen: Er ist Chairman des Board of Directors von BMI sowie Mitglied des Präsidiums der BDA und des BDI.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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