Stefan Piëch
Großer Name, kleine Aufgabe

Märchen gehören nicht nur zum Geschäftsmodell. Die Münchener RTV AG hat in ihrer Geschichte oft und in vielfältiger Weise Märchenstoff geliefert, guten wie schlechten. Nun hat sie, um im Bild zu bleiben, einen schönen, reichen Prinzen gefunden.

MÜNCHEN. Der ist 35 Jahre jung und hat im schwierigen Genre des Lizenz- und Filmhandels schon so manche goldene Nuss geknackt. Doch nicht nur das, er trägt auch einen Namen, der von bestem Geldadel zeugt: Stefan Piëch. Die RTV AG, gegründet einst von der grundsoliden Spielefirma Ravensburger, dann abgehoben im Neuen Markt und auf dem Boden der Tatsachen im Jahre 2002 fast zerschellt, hat mit dem Spross der Dynastie derer von Porsche-Piëch einen neuen Eigentümer.

Vorige Woche stellte sich der Neffe von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch in München vor. Die Sanierungsphase sei jetzt mit sehr viel „Schweißblut“ endgültig vorbei, hieß es bei der RTV AG. Und man beglückwünschte sich zu einem „finanzstarken und kompetenten Investor“.

Er ist groß, hat wie sein Onkel jetzt schon auffällig wenig Haare und ist alles in allem eine sehr freundliche Figur. Stefan Piëch ist geborener Wiener. Er hat in Schottland Film- und Medienwirtschaft studiert. Er war eine Zeit lang in der französischen Autoindustrie tätig, dann hat er in seiner Heimatstadt promoviert, um seine Unternehmerlaufbahn in der Hochphase des Neuen Marktes in München zu beginnen, der Hochburg der Medienindustrie. Die Branche stürzte in den Abgrund. Piëch aber machte weiter mit seiner Open Pictures AG. Mit ihr wirkte er an der Wiedergründung der Kinowelt des Michael Kölmel mit.

Vor kurzem ist Piëch aus persönlichen Gründen bei Open Pictures ausgestiegen und hat in Wien die F&M GmbH gegründet. Sie heißt mit vollem Namen Film und Medien Beteiligungs GmbH, Hauptgesellschafter ist Stefan Piëch. RTV ist sein erstes Engagement mit F&M. Manche meinen, sie sei nur zum Zweck der Übername der RTV gegründet worden. Piëch sagt, man wolle expandieren, auch mit Zukäufen. Weitere Mitglieder der Familie seien nicht dabei, sagt er. Die Helden von RTV, Hotta und Snoz oder Tikki Turtle und Ferdinand Piëch, das hätte man sich auch nicht richtig vorstellen können.

Seit Oktober besitzt die F&M den Großteil der Aktien, die bisher die Ravensburger AG an RTV hielt. 18 Prozent des 90-Prozent-Pakets gehen an das Management. Kleinanleger halten den Rest von noch gut zehn Prozent. Die Hausbanken von Ravensburger, die Deutsche Bank und die BW-Bank, ziehen sich zurück und verzichten auf ihre Forderungen. Piëch sagt auf Nachfrage, dass er mit drei Millionen Euro an dem Deal beteiligt ist. Dafür bekommt er die Filmbibliothek der RTV „sicherungsübereignet“, heißt es.

Der Ravensburger Spielekonzern ist heilfroh, das teure Kapitel RTV endlich abgeschlossen zu haben. Auf die Frage, ob man denn wirklich sicher sei, mit F&M einen soliden Investor gefunden zu haben, runzelt Finanzvorstand Frank Mallet die Stirne und sagt nur einen Satz: „Der Mann heißt Dr. Piëch.“

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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