Stefan Schörghuber
Scheuer Braulöwe

In der Öffentlichkeit tritt Stefan Schörghuber zurückhaltend auf. Aber intern greift der Münchener Milliardär schon mal hart durch, wie jetzt bei der Brauerei Kulmbacher: Er tauscht fast das komplette Management aus.

MÜNCHEN. Alle sind sie wieder auf den Münchener Nockherberg gepilgert an diesem Donnerstag im Februar: Die Mächtigen um Ministerpräsident Günther Beckstein, der neue Erzbischof, die Reichen und die Schönen und die üblichen „Adabeis“, die sich in ihrem Glanze sonnen. Das traditionelle Derblecken, bei dem der Bruder Barnabas in seiner Fastenpredigt zum Starkbieranstich den Politikern die Leviten liest, ist Pflichttermin in der weiß-blauen Landeshauptstadt, da drängt es jeden vor die Kameras.

Nur der Hausherr tritt gewohnt dezent auf. Die wenigsten erkennen Stefan Schörghuber. Eine der mächtigsten Figuren der Münchener Gesellschaft lächelt da scheu den Fotografen zu. Milliardär und Kunstmäzen ist er, Herrscher über den viertgrößten Braukonzern Deutschlands, über Immobilien und Hotels, Betreiber von Skiliften und einer Flugzeugleasing-Firma. Die Geschäfte aber führt Schörghuber im Verborgenen. Nur wenn es Ärger gibt, wie nun bei der Kulmbacher Brauerei, wo er fast das gesamte Management austauscht, taucht sein Name auf (Seite 14).

Denn so zurückhaltend er sich auch gibt: Wenn ihm etwas nicht passt, greift Schörghuber schon mal energisch durch. Dass an diesem Februartag der Kabarettist Michael Lerchenberg die Fastenrede auf dem Nockherberg hält – und nicht wie im Vorjahr Django Asül –, soll auch daran liegen, dass Schörghuber dessen scharfzüngiger Auftritt nicht gefallen haben soll. Seine Paulaner-Brauerei veranstaltet das Spektakel.

Den Wirtschaftsmagnaten sieht man ihm nicht unbedingt an, als einfacher Brauereichef würde Schörghuber optisch aber durchgehen. Wohlbeleibt ist der 46-Jährige, und wenn der Anlass passt, legt er gern den Trachtenjanker an, um dann skeptisch-freundlich in die Runde zu schauen. Die Münchener Schickeria ist dem introvertierten Familienvater wohl immer noch suspekt.

Schörghuber zu unterschätzen, den Fehler haben nur anfangs einige gemacht. Allzu mächtig, ja übermächtig schien der Schatten seines Vaters. Der gelernte Zimmermann Josef Schörghuber hatte nach dem Krieg ein Firmengeflecht aus Immobilien, Hotellerie und Brauereien aufgebaut. Ein impulsiver Lebemann, eng verdrahtet mit Politik und Wirtschaft im Freistaat war der Vater. Sohn Stefan, ein ganz anderer Charakter, übernimmt zwar früh ein wenig Verantwortung. Doch als der Senior 1995 stirbt und Stefan Schörghuber als Alleinerbe an die Spitze rückt – Mutter und Schwester werden finanziell abgefunden –, trauen ihm nur wenige zu, die Schörghuber-Gruppe fit zu machen für die Zukunft.

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