Stefan Schreiter folgt auf Peter Zühlsdorff
Neue Spitze für Grünen Punkt

Das Grüne-Punkt-Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) tauscht zum zweiten Mal in diesem Jahr die Führungsspitze aus. Das teilte die Kölner Verpackungsmüllfirma, die im vergangenen Dezember von der Beteiligungsgesellschaft KKR übernommen wurde, gestern offiziell mit.

HB DÜSSELDORF. Neuer Chef wird Stefan Schreiter, der zum Jahreswechsel die Nachfolge von Peter Zühlsdorff antreten wird. Der 40-jährige Schreiter war zuletzt Finanzchef des Gasfedern-Herstellers Stabilus und ist in der Entsorgungsbranche bislang unbekannt. Ende der 90er-Jahre arbeitete er als Controlling-Direktor beim Automobilzulieferer ITT Automotive, wo er den Verkauf an Continental (heute Continental Tewes) begleitete.

Für den DSD-Eigentümer KKR könnte sich diese Erfahrung als wertvoll erweisen: Mittelfristig dürfte die Beteiligungsfirma alles daran setzen, den Grüne-Punkt-Lizenzgeber an einen zahlungskräftigen Bieter weiterzureichen.

Die US-Beteiligungsfirma hatte den ehemaligen Verpackungsmüll-Monopolisten Ende des vergangenen Jahres für 807 Millionen Euro übernommen, einen Großteil der Übernahmekosten aber aus der Kasse des DSD bestritten. Seither muss sich die Führung darum bemühen, die Kosten des aufgeblähten Verwaltungsapparates zu verringern und neue Geschäftsfelder zu besetzen.

Angesichts der schwierigen Aufgabe gilt es in der Branche als Überraschung, dass Zühlsdorff bereits nach zwölf Monaten im Amt die Führungsbrücke verlässt und in den Unternehmensbeirat wechselt. Der ehemalige Vorstandschef der Wella AG und erfolgreiche Sanierer des Mülheimer Tengelmann-Konzerns kennt sich in der Konsumgüterbranche aus wie kaum ein Zweiter. Der gewiefte Strippenzieher war zudem jahrelang Mitglied des DSD-Aufsichtsrats. „Bei einem Weiterverkauf des DSD darf der Vorstandschef mit einer erheblichen Provision rechnen“, berichtet ein Brancheninsider: „Es ist kaum denkbar, dass sich Zühlsdorff das freiwillig entgehen lässt.“

Andererseits galt der 65-jährige Nachfolger des im Januar ausgeschiedenen DSD-Vorstandsvorsitzenden Hans-Peter Repnik schon bei seinem Start als Übergangskandidat. Dass bei ihm am 1. Januar 2006 Schluss sein könnte, hatte er im vergangenen Mai nur noch eher halbherzig dementiert.

Zur Ruhe setzen wird sich der quirlige Manager trotz seines Rentenalters wohl kaum. Über seine Beteiligungsgesellschaft Deutsche Industrie-Holding (DIH) stieg er erst vor vier Monaten bei der Textilkette Sinn-Leffers ein. Beteiligt ist er zudem an einem russischen Ikonen-Hersteller, der sich um die Ausbesserung der zahlreichen Kirchen des Landes bemüht. „Das ist ein absolut boomendes Geschäft“, schwärmt der gelernte Kaufmann.

Wie bereits seit langem erwartet, wird auch Diether Buchmann, bislang verantwortlich für Finanzen, Vertrieb und Entsorgung, den DSD-Vorstand verlassen. Der als Kommunikator wenig Begabte, der aber Verhandlungspartner mit Detailkenntnissen häufig zermürbte, wechselt in den Aufsichtsrat und gibt das Finanz- und Vertriebsressort an Stefan Schreiter ab. In den Vorstand rückt der bisherige DSD-Direktor Robert Maurer nach, der künftig für die Entsorgung zuständig sein wird.

Zum Jahreswechsel soll aus der bisherigen Aktiengesellschaft außerdem eine GmbH werden – um den Verwaltungsaufwand zu verringern, wie es beim DSD heißt. Dass KKR damit mögliche Börsenpläne begräbt, will Firmensprecher Norbert Völl indes nicht bestätigen. „Eine Rückkehr zur AG ist nicht schwierig.“

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