Stefan Schulte
Der sich im Tarifkampf im Recht fühlt

Der Fraport-Chef hält sich im Arbeitskampf der Vorfeldmitarbeiter im Hintergrund. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Ex-Personalvorstand alle Kniffe kennt.
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FrankfurtDie öffentlichen Auftritte überlässt Stefan Schulte, der Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, dieses Mal anderen: seinem Vorstandskollegen Herbert Mai etwa, ehemaliger Gewerkschaftler und Arbeitsdirektor von Fraport, oder auch Peter Schmitz, der für das tägliche Geschäft zuständige Vorstand. Sie sind es, die vor die Kameras treten, wenn es um den Streik der Vorfeldmitarbeiter geht, der auch gestern wieder die Abläufe an Deutschlands größtem Flughafen störte. Doch im Hintergrund gibt der Chef die Richtung vor. Und die heißt: hart bleiben.

Den vierten Tag in Folge werden die 200 Vorfeldmitarbeiter von Fraport heute ihre Arbeit niederlegen. Doch Schulte beeindruckt das wenig. Kein Kompromissangbot, kein Entgegenkommen, nicht mal ein Hauch von Verständnis. Schulte gibt sich hart, allerdings ohne stur zu sein. Man sei für Verhandlungen offen, aber dazu müsse die Gewerkschaft der Flugsicherung erst den Streik beenden und die "starrsinnige Haltung" aufgeben.

Der gebürtige Wuppertaler - Schulte kam dort am 9. April 1960 zur Welt - weiß, dass sein wichtigster Kunde in Frankfurt, die Lufthansa, seinen Kurs mitträgt. Die Airline hat viele Erfahrungen mit selbstbewussten Spartengewerkschaften gesammelt. Denen einmal die Grenzen aufzuzeigen, das findet auch in der Lufthansa-Spitze Beifall.

Der 51-Jährige fühlt sich aber vor allem im Recht. Bis zu 70 Prozent mehr Lohn, das ist nach seiner Meinung weder angemessen, noch passt es in die aktuelle Zeit. Gerade erst hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für über 10 000 Mitarbeiter einen Zukunftsvertrag mit Fraport geschlossen, und der sieht das Gegenteil vor: Kosten senken. Es war vor allem Schulte, der diesen Zukunftsvertrag vorantrieb. Diesen Erfolg will er sich jetzt nicht durch 200 Mitarbeiter, die zum Teil auch noch leicht zu ersetzen sind, relativieren lassen.

Schulte kam 2003 vom Motorenbauer Deutz zu Fraport, wo er als Personalvorstand Erfahrungen mit Gewerkschaften und Tarifparteien sammelte. In Frankfurt wurde er zunächst Finanzvorstand. Dort lernte Schulte schnell, wie man sich in unübersichtlicher Gemengelage durchsetzt. Schließlich gehört Fraport zu großen Teilen dem Land Hessen. Und verglichen mit dem sicheren Auftreten auf politischem Parkett, ist der Umgang mit 200 renitenten Mitarbeitern ein Kinderspiel - vor allem weil Schulte CDU-Parteimitglied ist.

Der Streik kommt für ihn ungelegen. Denn eigentlich bearbeitet er derzeit eine ganz andere Baustelle. Montag für Montag versammeln sich seit einiger Zeit Tausende von Anwohnern des Flughafens, um gegen den Fluglärm zu protestieren. Durch die neue Landebahn haben sich die Flugrouten geändert. Das sorgt für Ärger. So sehr, dass Schulte sich nun mit seinen Kunden Lufthansa und Condor zusammengetan hat, um am 1. März auf dem Frankfurter Römer selbst zu demonstrieren - für den Flughafen, für "Ja zu FRA".

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

Kommentare zu " Stefan Schulte: Der sich im Tarifkampf im Recht fühlt"

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  • Was für ein Schwachsinn, der da mal wieder von einer Gewerkschaft kommt. Bis zu 70% mehr Lohn bei geringerer Arbeitszeit. Die Pillen will ich auch, scheinen ja Flügel zu verleihen. Meine Bitte an Fraport, bleibt hart. Nix gegen Lohnerhöhungen, aber das sind Fantasiegebilde.

  • Ich danke ihnen, dass sie dafür sorgen, dass wir hier keine griechischen Verhältnisse bekommen. Eine Lohnsteigerung steht jedem zu, allerdings muss Sie auch in einem vertretbaren Rahmen geschehen. Wo der genau liegt ist schwer zu sagen, aber das hier liegt definitiv ausserhalb des Rahmens.

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