Stefan Schulte
Fraport erhält neuen Chef-Piloten

Es ist eine längst überfällige Entscheidung: Am Freitag wird der Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Fraport Stefan Schulte zum künftigen Vorstandschef berufen. Der 48-Jährige wird damit Nachfolger von Wilhelm Bender. Zwar beherrscht der ehemalige Finanzvorstand des Konzerns das Kerngeschäft bestens - dennoch markiert der Wechsel an der Unternehmensspitze das Ende einer Ära bei Fraport.

FRANKFURT. „Die Personalie wurde bereits in den entsprechenden Ausschüssen besprochen. Alles andere als die Ernennung wäre eine echte Überraschung“, heißt es im Umfeld des Kontrollgremiums.

Schulte soll, so ist weiter zu hören, den amtierenden Fraport-Chef Wilhelm Bender im September ablösen. Der wird im August 65 Jahre alt. Darauf hätten sich die Anteilseigner – Fraport gehört zu 31,6 Prozent dem Land Hessen und zu 20,2 Prozent der Stadt Frankfurt – geeinigt. Damit scheint die seit langem laufende Diskussion über die Nachfolge an der Spitze des Frankfurter Unternehmens endgültig beendet zu sein. In den zurückliegenden Monaten war immer wieder spekuliert worden, Bender könne noch mal um eine Verlängerung seines Vertrages nachsuchen.

Der 48-jährige Schulte gilt bereits seit seiner Berufung zum Stellvertreter im Jahr 2006 als „natürlicher“ Nachfolger von Bender. Zum einen war er dreieinhalb Jahre lang Finanzvorstand des Unternehmens, kennt sich also bestens mit der wirtschaftlichen Materie aus. Zugleich ist er seit 2006 für den Flug- und Terminalbetrieb verantwortlich und managt zudem den für Fraport wichtigen Ausbau des Flughafens Frankfurt. „Er kennt mittlerweile auch das Kerngeschäft aus dem Effeff“, berichten Wegbegleiter. Nicht zuletzt deshalb sei seine Berufung auch auf der Arbeitnehmerseite im Kontrollgremium Konsens.

Dennoch markiert die planmäßige Stabübergabe das Ende einer Ära bei Fraport. Zum einen führt Bender den Flughafenbetreiber seit 1993, hat dessen Expansion massiv vorangetrieben auch in schwierigen Phasen wie dem Scheitern in Manila oder dem monatelangen und öffentlichkeitswirksamen Kampf um den Bau der Startbahn West. Entsprechend groß sind die Fußstapfen, in die Schulte demnächst tritt.

Dies gilt umso mehr, da auf Schulte große Herausforderungen im operativen Geschäft zukommen. Er übernimmt das Steuer in einer der heftigsten Branchen- und Weltwirtschaftskrisen seit mehr als 50 Jahren. Entsprechend knausrig dürften sich wichtige Kunden wie die Lufthansa zeigen, wenn es um die künftigen Verhandlungen der Gebühren geht. Auch der erneute Ausbau des Flughafens mit einer vierten Rollbahn wird Schulte weiter Nerven kosten, hat doch das Verwaltungsgericht die Regelungen für den wichtigen Nachtflug infrage gestellt. Zudem wächst der Wettbewerb durch große Drehkreuze in der Golfregion.

Zum anderen übernimmt mit Schulte ein gänzlich anderer Managertyp das Ruder. Schulte gilt als eher zurückhaltend, vor allem wenn es um persönliche Belange geht. „Bender trägt sein Herz häufig auf der Zunge, hält mit seiner Meinung selten hinterm Berg. Schulte agiert völlig anders“, beschreiben Insider den künftigen Fraport-Chef.

Dennoch traut man Schulte den künftigen Spitzenjob ohne Einschränkungen zu. „Er wird wegen seiner Zurückhaltung häufig unterschätzt. Aber er hat viel Erfahrung, auch im Umgang mit politischen Kräften“, heißt es.

Tatsächlich kann Schulte auf sehr vielfältige Management-Erfahrungen zurückblicken. Der gelernte Bankkaufmann begann seine Karriere bei der Deutschen Bank, wechselte dann zum Telekom-Unternehmen Mannesmann-Arcor. Zwischen 2001 und 2003 war er Mitglied des Vorstandes und Finanzchef des Motorenbauers Deutz in Köln.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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