Stefanie Harig und der Kunstmarkt
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Mit einem simplen Konzept rollt Stefanie Harig, Gründerin der Avenso AG, den Kunstmarkt auf: Fotokunst in hohen Auflagen zu niedrigen Preisen. Der Erfolg gibt der 38-Jährigen recht und weckt zugleich Interesse von außen.

BERLIN. Sie wirkt schmal und zerbrechlich. Doch sie ist eine Powerfrau. Gestern noch lag sie mit über 40 Grad Fieber im Bett. Heute ist Stefanie Harig wieder auf den Beinen und begrüßt die Gäste in ihrer Lumas-Galerie für Fotokunst auf dem Ku-Damm in Berlin – als wenn nichts gewesen wäre.

Sie will unbedingt dabei sein, wenn das neue Projekt startet. Kunstbuchverleger Benedikt Taschen eröffnet in der Galerie einen Shop für preisgünstige Bildbände. „Ich glaube, die beiden Konzepte passen gut zusammen, weil wir Kunst für jedermann anbieten“, sagt Harig.

Die 38-Jährige probiert gern Neues aus. Vor zwei Jahren begann sie, den Kunstmarkt aufzumischen. Mit ihrem Mann, Marc Ullrich, gründete sie die Berliner Avenso AG und verkaufte unter dem Markennamen Lumas Fotokunst zu Tiefpreisen ab 100 Euro. Ein Schock für viele Galerien, die froh sind, dass sich Fotografie im Kunstmarkt durchgesetzt hat und endlich hohe Preise erzielt.

Doch das Konzept ist aufgegangen. Heute bietet Lumas 650 Arbeiten von 90 Künstlern über das Internet sowie sechs eigene Galerien in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Stuttgart an und beschäftigt 45 Mitarbeiter. Dieses Jahr ist ein Umsatz von 5,5 Millionen Euro geplant. Die Gewinnschwelle ist nach eigenen Angaben schon erreicht. Der Erfolg überzeugt auch Verleger Hubert Burda. Er hat sich über Burda Digital Ventures mit 27 Prozent an Avenso beteiligt.

Harig will das Kapital vor allem im Ausland investieren. „Auf dem für uns wichtigen US-Markt planen wir zunächst fünf Filialen, dann noch eine in Zürich und in Frankfurt.“ Außerdem soll unter einem anderen Namen eine zweite, offene Internetplattform entstehen – „für eine noch weiter gehende Demokratisierung der Kunst“, wie Harig anmerkt.

Wie kommt man auf die Idee mit den preiswerten Fotoeditionen? Für Kunst hat sie sich schon als Kind interessiert. „Meine Eltern haben uns in alle möglichen Museen geschleppt“, erzählt sie beim Kaffee in der Lumas-Zentrale. Die Altbauetage in Berlin-Charlottenburg mit hohen Decken und Parkettböden verbreitet mit ihren vielen jungen Leuten einen Hauch von New Economy.

Später ist klar, dass Harig „etwas mit Kunst machen will“. Aber sie muss auch Geld verdienen. Also studiert sie Kunstgeschichte, parallel Public Relations und arbeitet noch für PR-Agenturen. Nach dem Studium gründet sie ihre eigene Agentur und betreut Kunden wie Mercedes-Benz.

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