Stelios Haji-Ioannou
Unternehmer auf Entzug

Stelios Haji-Ioannou gilt als erfolgreicher Serien-Unternehmer. Doch seit der milliardenschwere Easyjet-Gründer in seinem Unternehmen nur noch eine Nebenrolle im Verwaltungsrat spielt, fühlt er sich zunehmend unwohl und stichelt gegen das Management.

LONDON. Mit Ende dreißig schon Milliardär zu sein, das kann auch zur Last werden. Sir Stelios Haji-Ioannou ist diese Last anzumerken. Er hat in die Vereinigung der Auslandspresse in London eingeladen, um etwas über Easyjet zu erzählen, sein erfolgreiches Kind, das nun andere betreuen. Seit Monaten übt er an diesen anderen öffentlich Kritik, doch nun, kurz vor der Hauptversammlung, die am kommenden Donnerstag stattfindet, spielt er Unstimmigkeiten herunter. Lieber erzählt der rundliche Mann mit dem sich lichtenden schwarzen Haar über sich. Wie er über die Rezession denkt, wie froh er ist, von seinem neuen Haus in der Karibik aus arbeiten zu können, wie sehr ihm eine friedliche Verständigung in seiner Heimat Zypern am Herzen liegt.

Ein erfolgreicher Serien-Unternehmer, der mit sich im Reinen ist und jetzt etwas an die Gesellschaft zurückgeben möchte, so stellt er sich dar. „Stelios, bitte nur Stelios“, unterbricht er gleich den ersten Fragesteller, der ihn mit vollem Namen und Titel anspricht. Er erzählt, wie er statt mit Privatjet nach wie vor mit Easyjet zu seinem steuergünstigen Domizil nach Monaco fliege, „zwischen Junggesellenpartys aus Belfast“.

Doch der lockere Auftritt als Jungunternehmer mit kariertem Hemd und offenem Kragen täuscht. Stelios windet sich, wenn ernsthafte Fragen zu Easyjet kommen. „Normalerweise wäre ich ja CEO oder Chairman, so wie Rupert Murdoch“, vergleicht er seinen Lebensweg mit anderen erfolgreichen Gründern. Aber er nehme halt Corporate Governance ernst, und deshalb habe er sich trotz seines Anteils von knapp 30 Prozent auf einen einfachen Verwaltungsratsposten beschränkt. Es fällt nicht schwer, da Reue herauszuhören.

Es stört ihn, dass er auf seinem Aktienpaket sitzt, ohne etwas bewegen zu könne. Verkaufe er, dann ruiniere er den Aktienkurs, und kaufe er, dann komme er über 30 Prozent und müsse ein Übernahmeangebot vorlegen, stöhnt er. Darum fordert er von der Easyjet-Führung eine Dividende. Aber erst nach der Rezession, also vielleicht 2011, beeilt er sich hinzuzufügen. Auch soll Easyjet nicht mehr ganz so schnell neue Flugzeuge von Airbus abnehmen. Auch darüber sei man sich ja einig, sagt er treuherzig.

Warum spielt er dann die außerparlamentarische Opposition, kommentiert in Pressemitteilungen die Quartalsberichte von Easyjet, gibt Interviews und beantwortet E-Mails von Journalisten? Ein Missverständnis, beteuert er. Schuld an dem öffentlichen Zank, der nach einer Verwaltungsratssitzung im November ausbrach, seien die Anwälte des Unternehmens, die auf eine öffentliche Erklärung gedrängt hätten.

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