Stephan Kohler
Das gute Gewissen von RWE

Stephan Kohler wird Chef der neuen Effizienz-Tochter des Essener Energiekonzerns. Zur Zeit leitet er noch die Deutsche Energieagentur (Dena).

BERLIN. Noch vor wenigen Wochen hat er heftig dementiert. Doch jetzt ist es amtlich: Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energieagentur (Dena), wechselt zum RWE-Konzern. Der 56-Jährige wird voraussichtlich ab 1. Juli Chef der neuen Tochter „RWE Efficiency“.

Entsprechende Gerüchte gab es bereits Ende 2008. Kohler winkte damals ab und verwies auf seinen bis 2013 verlängerten Vertrag als Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. Gestern räumte er im Gespräch mit dem Handelsblatt ein: „Ich habe ein halbes Jahr lang mit RWE-Chef Jürgen Großmann verhandelt.“ Nun wird die neue Tochter direkt unterhalb der RWE-Holding angesiedelt. Kohler berichtet zudem an das neue RWE-Vorstandsmitglied Rolf Martin Schmitz, zu dem er seit Jahren gute Kontakte unterhält.

Die neue Tochter wird für RWE den Bereich Energieeffizienz vorantreiben. Kohler soll neue Geschäftsfelder und Produkte entwickeln. Nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen war Kohlers Berufung nicht unumstritten. Einige Mitglieder der Führungsetage hielten es für überflüssig, eine eigene Effizienz-Tochtergesellschaft zu gründen. Erst im vergangenen Jahr hatte RWE die Tochter RWE Innogy gegründet, die sich dem Ausbau der erneuerbaren Energien widmet. Chef von Innogy ist Fritz Vahrenholt, früherer SPD-Umweltsenator von Hamburg und später Chef des Windanlagenbauers Repower. Wie Vahrenholt verfügt Kohler in der Politik über ein engmaschiges Netz. Er ist befreundet mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und zählt zu den Beratern von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).

Seine berufliche Laufbahn begann der Ingenieur beim Tüv Bayern, Abteilung Kerntechnik und Strahlenschutz. 1981 wechselt er zum Öko-Institut in Freiburg und wird 1991 Geschäftsführer der vom Land Niedersachsen und der damaligen Veba gestarteten Niedersächsischen Energie-Agentur in Hannover. Seit 2000 leitet er die von der Bundesregierung und der KfW gegründete Dena.

Wie kein Zweiter kämpft er für den effizienten Einsatz von Energie in privaten Haushalten, in der Industrie und im Verkehrssektor. Im vergangenen Jahr machte er durch eine Studie auf sich aufmerksam, in der die Dena eine Lücke in der Stromversorgung prognostiziert. Umweltschützer kritisieren seitdem, Kohler liefere Energiekonzernen die Argumente für den Bau von Kraftwerken.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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