Stephan Kohler
Kohler sagt RWE ab

Überraschung in Essen: Der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur wechselt doch nicht zur neuen Effizienzgesellschaft des Stromkonzerns

DÜSSELDORF/BERLIN. Schlappe für RWE-Chef Jürgen Großmann: Sein Wunschkandidat für den Chefposten der neuen RWE Effizienzgesellschaft, Stephan Kohler, hat überraschend abgesagt. Geplatzt ist der Wechsel des Geschäftsführers der teilstaatlichen Deutschen Energie-Agentur (Dena) nach Informationen des Handelsblatts aus Kreisen der Beteiligten aus zwei Gründen: wegen politischer Ränkespiele bei Kohlers bisherigem Arbeitgeber und wegen Machtkämpfen um den Einfluss der neuen Tochter im RWE-Konzern.

Dabei sollte die Berufung Kohlers eine dieser Personalien werden, mit denen Großmann das Image des Energiekonzerns verbessern wollte. Die neue Tochtergesellschaft soll das Zukunftsthema Energieeffizienz besetzen und mit Dienstleistungen rund um das Energiesparen Geld verdienen. Und Kohler, der Großmann im Februar zugesagt hatte, gilt als einer der größten Experten auf diesem Gebiet. Ein ähnlicher Coup war Großmann gelungen, als er Repower-Chef Fritz Vahrenholt an die Spitze seiner neuen Sparte für erneuerbare Energien, RWE Innogy, holen konnte.

Offiziell begründete Kohler seine Absage damit, dass er bei der Dena unabkömmlich sei: „Ich möchte in der jetzigen, politisch wie wirtschaftlich schwierigen Situation und bei den anstehenden neuen Aufgaben in der Dena weiter die Verantwortung übernehmen.“ Mitglieder des Aufsichtsrats hätten ihn dringend gebeten, seinen Vertrag zu erfüllen.

In Berliner Regierungskreisen hieß es, man habe sich schwergetan, einen Nachfolger zu finden. Zwar seien Mitarbeiter des Wirtschafts- und des Umweltministeriums als künftige Geschäftsführer im Gespräch gewesen; sie hätten jedoch nicht die einhellige Zustimmung des Aufsichtsrats gefunden. Außerdem war in den vergangenen Wochen mehrfach der Berliner CDU-Politiker Friedbert Pflüger als Nachfolger genannt worden. Pflüger, der sich zu entsprechenden Berichten nicht hatte äußern wollen, habe bereits den Segen der Kanzlerin, hieß es. Offenbar sei Pflüger aber weder im Wirtschafts- noch im Umweltministerium auf Gegenliebe gestoßen.

Vorsitzender des Dena-Aufsichtsrats ist Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) ist Aufsichtsratsmitglied. Die Dena gehört zu 50 Prozent dem Bund. Weitere Gesellschafter sind die KfW-Bankengruppe, Allianz, Deutsche Bank und DZ Bank.

In Branchenkreisen hieß es aber auch, Kohler sei seinerseits vor den Machtkämpfen innerhalb des RWE-Konzerns zurückgeschreckt. Zwar hatte Kohler durchsetzen können, dass die neue Effizienzgesellschaft direkt unterhalb der Holding angesiedelt wird – und damit auf Augenhöhe mit Gesellschaften wie RWE Innogy. Man habe Kohler aber davor gewarnt, dass er seine Interessen gegenüber machtbewussten RWE-Managern, insbesondere dem neuen Deutschland-Chef Rolf Martin Schmitz, möglicherweise nicht werde durchsetzen können. Ziel der Effizienzgesellschaft ist es, den effizienten Energieeinsatz zum eigenen Geschäftsfeld zu machen. Dies ist aber nur in Kooperation mit anderen Töchtern möglich. „Die Effizienzgesellschaft kann nur funktionieren, wenn sie eng angebunden ist an den Vertrieb und guten Zugang zu den Kunden hat“, sagt ein Insider. Gerade das Vertriebsgeschäft ist momentan bei RWE aber im Umbruch. Viele Manager kämpfen um Einfluss.

Kohler hatte seinen Vertrag als Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung erst im vergangenen Jahr verlängert und die Branche dann mit der Zusage für RWE überrascht. Nun bleibt alles beim Alten: Kohler erfüllt seinen Vertrag, der bis 2013 läuft.

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