Stephan Rötzer
Der Frucht-Veredler

Was er macht, macht Stephan Rötzer mit Herzblut: Der 38-Jährige sprudelt über, wenn er Einzelhändlern von seiner Geschäftsidee erzählt. Dann strahlen seine dunkelbraunen Augen, er hebt und senkt die Arme und Grinsen und Lachen wechseln sich ab. „Ich kann nur gut sein, wenn ich an etwas glaube“, sagt Rötzer.

DÜSSELDORF. Der gebürtige Münchener glaubt an seine Idee, die Premiummarke „San Lucar“ für Obst und Gemüse. Rötzer, der sein Unternehmen im spanischen Puzol bei Valencia betreibt, wählt jeden seiner knapp 200 Vertragsbauern und deren Anbaugebiete auf der ganzen Welt penibel aus, achtet auf Bodenqualitäten und Sonnenlagen und lässt die Früchte von einem unabhängigen Institut kontrollieren. Er vertreibt die hochpreisige Ware über Fachhändler und Supermarktketten in Deutschland, Österreich und der Schweiz – und seit neuestem auch in einzelnen Filialen des Essener Karstadt-Konzerns.

Das Geschäft floriert. Dieses Jahr will er mit 90 Mitarbeitern den Umsatz von 150 auf 170 Millionen Euro steigern. Den Gewinn beziffert er auf 2,6 Millionen Euro.

„Zumindest die Idee vom Marken-Obst ist einmalig“, erkennt Martin Ruppmann an, stellvertretender Geschäftsführer vom Markenverband. Es gebe zwar Einzelmarken wie Chiquita bei Bananen oder Dole bei Ananas, fügt Alexander Gerber vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft hinzu, über das gesamte Obst- und Gemüsesortiment habe das aber noch niemand umgesetzt.

Für Obst und Gemüse mit dem Aufkleber „San Lucar“ müssen die Kunden bis zu 50 Prozent mehr zahlen als für die Durchschnittsware in Supermärkten. Trotzdem beliefert Rötzer, der 1996 bei selbstständigen Gemüsehändlern startete, immer mehr Einzelhändler wie Edeka und die süddeutschen Firmen Hit oder Wasgau AG, eine Kette mit 100 Märkten im Südwesten. „Stephan Rötzer ist ein Idealist“, sagt Jürgen Kirsch, Einkäufer von Wasgau. „Ich bin davon überzeugt, dass sich seine Qualitätsidee im Handel durchsetzen wird.“

Rötzer ist ein Selfmademan: Er wechselte mehrmals das Gymnasium, schmiss das Abitur und machte keine Berufsausbildung. Stattdessen setzt er sich als 18-Jähriger der Sprache wegen nach Spanien ab. Er verdient seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs, mal als Gabelstaplerfahrer, mal als „Faxer“. Bei Edeka in Spanien sitzt er anfangs den ganzen Tag im Büro und schickt und verteilt Faxsendungen. Schließlich landet der Sohn eines Gemüsehändlers vom Münchener Großmarkt wieder bei dem, was er von klein an kennt: im Obst- und Gemüsehandel.

Sein letzter Job bei einem großen Exporteur von Zitrusfrüchten bringt ihn auf die Idee mit der Marke San Lucar. „Ich sah, wie wir mit schlechter Ware viel Geld verdienten“, erzählt Rötzer in immer noch bayerisch gefärbtem Deutsch. „Da sagte ich mir: Wie viel kann man erst mit guter Ware verdienen.“ Seine langjährigen Kontakte zu großen Obst- und Gemüseanbauern halfen ihm beim Start.

Seite 1:

Der Frucht-Veredler

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%