Stephan Schaller
Ohne Netz und doppelten Boden

Stephan Schaller hält nichts von Seilschaften: Die Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns führt er von einem gläsernen Büro aus. Doch in Wolfsburg fehlen ihm die die wichtigen Netzwerke. Er gehört nicht zu Winterkorns Küchenkabinett, das weitgehend aus Weggefährten aus dessen Audi-Zeit besteht.

HANNOVER. Stephan Schaller hat auf Dauerlächeln geschaltet. Es durchzieht seine nachösterliche Urlaubsbräune bis zu den feinen Fältchen um die Augen. Der 50-Jährige versprüht jungenhaften Charme – dabei ist der Manager spürbar genervt. Schallers imposante rechte Hand mit kurzen Fingernägeln und klobigem Silberring klopft unaufhörlich auf den ovalen Glastisch, an dem er steht.

Eigentlich hat der Chef von Volkswagens Nutzfahrzeug-Sparte (VWN) in Hannover allen Grund zur Freude. Für 2007 hat er ein Rekordergebnis abgeliefert: Weltweit verkaufte VW knapp 490 000 Nutzfahrzeuge: vom im Polen gebauten Kastenwagen Caddy auf PKW-Basis über die in Hannover gefertigten Transporter bis zum schweren Truck aus Brasilien – ein Plus von 10,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz der Marke kletterte um 15 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg immerhin von 138 Millionen im Jahr 2006 auf 305 Millionen Euro.

Doch die Journalisten, die Schaller umringen, interessieren sich vor allem für die mögliche Allianz seines Bereichs mit dem schwedischen LKW-Bauer Scania und dem Münchner Konkurrenten MAN. Damit wäre Volkswagens Firmenpatriarch Ferdinand Piëch am Ziel, seinem Autoreich einen global wettbewerbsfähigen LKW-Riesen einzuverleiben. Am 3. März übernahm VW mit einem Paukenschlag die Mehrheit an Scania. Experten wie der Autoanalyst Frank Schwope von der NordLB gehen davon aus, dass der Wolfsburger Autokonzern absehbar auch die Mehrheit an MAN übernehmen wird. Derzeit besitzt VW 29,9 Prozent der Stimmrechte. Und Schaller vertritt zusammen mit Audi-Chef Rupert Stadler die Interessen des Wolfsburger Großaktionärs im MAN-Aufsichtsrat.

So kunstvoll die Fragen auch variieren, so eintönig bleiben die Antworten des Mannes im dunkelblauen Nadelstreifenanzug. „Wir sind sehr froh, dass die Marke Scania als Juwel der Nutzfahrzeugbranche zu unserem Portfolio gehört“, sagt Schaller. Artig verweist er darauf, dass die Geschicke von Scania und MAN jetzt in den Händen „des Volkswagen-Vorstandschefs Dr. Winterkorn“ liegen.

Gehört der LKW-Lenker zu den Männern, die im hierarchiebewussten VW-Konzern nichts zu sagen haben? Der Eindruck täuscht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bernd Wiedemann ist Schaller Teil der erweiterten Konzernführung, die sich alle zwei Wochen trifft. Langsam, aber stetig verschafft er sich durch seine zupackende Art und konsequente Internationalisierung Respekt in der Zentrale.

Die Konstellation ist schwierig. Der an der Kaderschmiede RWTH Aachen diplomierte Maschinenbauer wurde bei BMW groß, verbrachte fast zwei Jahrzehnte bei dem Münchener Autobauer. Nach einer Zwischenstation bei Linde machte ihn der damalige Volkswagen- und ehemalige BMW-Chef Bernd Pischetsrieder zum Produktionsvorstand der Nutzfahrzeuge. Pischetsrieder selbst dient nach dem Abschuss durch Piëch im Jahr 2006 als Prügelknabe für Probleme bei VW.

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