Stephan Swinka
Verschworene Räuberbande

Stephan Swinka will das Filialnetz des Mode- und Wäschekonzerns Ernsting’s Family weiter ausbauen. Es ist keine leichtes Ziel, das sich der ehemalige Tchibo-Vorstand gesetzt hat – zwei seiner Vorgänger sind an dieser Aufgabe gescheitert.

COESFELD-LETTE. „Können Sie mir bitte helfen?“ Als die erste Mitarbeiterin mit einem persönlichen Problem in sein Büro stürmte, wusste Stephan Swinka, dass er „das Vertrauen der Mitarbeiter“ beim Mode- und Wäschekonzern Ernsting’s Family gewonnen hatte.

Ein leiser Seufzer der Erleichterung entfährt dem ehemaligen Tchibo-Vorstand Swinka noch heute – ein knappes Jahr später. Schließlich stand sein Start beim 1879 gegründeten Familienkonzern unter keinem guten Stern. Swinka ist nicht der erste Manager, der sich an die Nachfolge des Patriarchen Kurt Ernsting wagte im tiefsten Westfalen.

Coesfeld-Lette – ein typischer kleiner Ort im Münsterland. Pferdeweiden, rote Klinker, Gartenzwerge. Doch hinter Linden verstecken sich moderne Gebäude der Stararchitekten Santiago Calatrava und David Chipperfield. Hier steht die Firmenzentrale von Ernsting’s Family, einem der erfolgreichsten Modekonzerne Deutschlands. Mit preiswerter Wäsche und Kleidung für Mütter und Kinder erzielt das Unternehmen mit 1300 Läden einen Jahresumsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro – und wächst und wächst.

Chef ist seit einem Jahr Stephan Swinka, ein sich jugendlich gebender 47-Jähriger mit einer ovalen Metallbrille, die auch einem Fünftklässler stehen würde. An seinen früheren Arbeitgeber erinnert die schwarze TCM-Uhr an seinem linken Handgelenk. TCM ist die Hausmarke von Tchibo. Beim Hamburger Handelskonzern war er sieben Jahre Vorstandsmitglied – bis er von der freien Stelle bei Ernsting's Family erfuhr. Von einem Freund, der selbst nicht wollte.

Dass er nicht von einem Headhunter aufgespürt wurde, erzählt Swinka im ersten Interview als Konzernchef frank und frei. Große Geschichten und Gesten sind seine Sache nicht. An seiner Brust steckt ein Namensschildchen: Unter dem Werbespruch „Willkommen in der Ernsting's Family“ steht „Stephan Swinka“ – ganz so, als sei er irgendein Mitarbeiter. Und an der Zeiterfassung im Parterre steckt seine Personalkarte.

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