Stéphane Richard
Der ewige Kandidat

Der Sarkozy-Vertraute Stéphane Richard wird schon lange für verschiedene Topposten bei französischen Konzernen gehandelt. Nun wird er überraschend neuer Chef von France Télécom.

PARIS.Bisher stand der zurückhaltende Stéphane Richard immer im Schatten von Christine Lagarde. Wenn sich die französische Wirtschaftsministerin in der Öffentlichkeit zeigte, war er ihr stiller Begleiter. Der hagere 47-Jährige mit dem schütteren Haar arbeitete bei ihr als Kabinettsdirektor.

Jetzt tritt Stéphane Richard allein ins Rampenlicht. Er soll überraschend Chef von France Télécom werden. Er wird so zu einem der mächtigsten Manager Frankreichs. Der Telekomkonzern ist mit 220 000 Angestellten und einem Jahresumsatz von 53 Milliarden Euro eines der größten Unternehmen im Lande und gehört in Europa zu den Top drei der Telekombranche.

Niemand hatte bereits jetzt mit einer Entscheidung für den Nachfolger von Didier Lombard gerechnet, der aus Altersgründen seinen Vertrag nicht verlängern wird. Richard gilt als langjähriger Vertrauter von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Das dürfte ihn als künftigen Vorstandschef empfohlen haben, spekulieren französische Medien. Der Staat hält noch 26,7 Prozent an dem Konzern und hat so bei der Besetzung des Chefpostens ein entscheidendes Wort mitzureden.

Richard ist in Frankreich kein Unbekannter. Er war schon häufiger für wichtige Firmenposten im Gespräch. Seit zwei Jahren wurde er als möglicher Chef der Eisenbahn SNCF, des Verkehrsunternehmens RATP, der Post und der Versorger GDF Suez und EDF genannt. Im Wirtschaftsministerium war er maßgeblich an den Refinanzierungsplänen der Banken und dem Konjunkturprogramm beteiligt, um die Wirtschaftskrise zu meistern.

"Er ist brillant und sehr gut in Wirtschaft und Politik vernetzt", heißt es im Wirtschaftsministerium über ihn. Er sei intelligent und diskret, arbeite viel und vergesse darüber sein Familienleben nicht. Der Protestant, Vater von fünf Kindern, liebt Musik und geht gern wandern.

Der Ingenieursohn aus Bordeaux ist allerdings kein ausgewiesener Spezialist im Telekomgeschäft. Nach der Politikerhochschule ENA wurde er 1987 Finanzinspektor. Nach Beraterposten im Industrieministerium und bei den Wasserwerken Compagnie Générale des Eaux übernahm er 1997 den Chefposten des Bauträgers Compagnie Générale d'Immobilier et de Services (später Nexity). Von 2003 bis 2008 war er Chef der Transportsparte des Mischkonzerns Veolia Environnement.

Aber immerhin saß er schon einmal fünf Jahre lang im Verwaltungsrat von France Télécom. Frank Esser, der deutsche Chef des französischen Telekom-Konkurrenten SFR, kennt ihn gut: "Stéphane Richard ist sehr konstruktiv und hört gut zu, ein perfekter Nachfolger von Didier Lombard."

Der zukünftige Chef soll langsam an seine Aufgabe herangeführt werden. In der zweiten Hälfte dieses Jahres soll er bei France Télécom starten, bestätigte der Konzern. Aber zunächst wird er nur Stellvertreter von Lombard. Der derzeitige Chef bleibt noch im Amt und wird erst Mitte 2011 ganz abtreten, wenn er 67 Jahre alt wird.

Die Erwartungen an Richard sind groß, hat doch sein Vorgänger Didier Lombard die Modernisierung des Konzerns erfolgreich vorangetrieben und daraus ein internationales Schwergewicht gemacht. In einem Punkt unterscheiden sich die beiden deutlich. Richard ist ein stillerer und nicht so extrovertierter Typ wie Lombard, der nie auf die orange Krawatte in den Firmenfarben verzichtete.

Eine Hürde wartet allerdings noch auf ihn. Damit es keine Kritik an seinem Wechsel vom Staatsamt an die Spitze eines Konzerns gibt, wird die zuständige Ethik-Kommission angerufen. Denn die französische Regierung hat hinzugelernt. Im Fall von François Pérol, der zum Chef der Bank Caisse d'Epargne Populaire-Banque aufstieg, hatte sie die Ethik-Kommission nicht einbezogen - und geriet in die Kritik.

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