Stephen Elop
Der Nicht-Finne für ein neues Nokia

Durch den schrumpfenden Marktanteil des finnischen Unternehmens ist nun dringend Handlungsbedarf gefragt. Dabei zählt man auf den ersten Nicht-Finnen auf dem Chefsessel des Handy-Herstellers: Der Software-Spezialist Stephen Elop soll Nokia umgestalten.
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STOCKHOLM. Finnisches Eishockey, ja, das kenne und schätze er. Irgendeine Spezialität mit einem unaussprechlichen Namen habe er probiert. Schmeckte aber nicht, gibt er ehrlich zu. In den nächsten Wochen wolle er noch mehr über die finnische Kultur, Geschichte und Mentalität erfahren, sagt er. Stephen Elop tastet sich vorsichtig heran, will einen Fehlstart vermeiden. Den kann er sich auch nicht erlauben. Als erster Nicht-Finne in der fast 150-jährigen Unternehmensgeschichte übernimmt er in einer Woche das Ruder beim weltgrößten Handy-Hersteller Nokia.

Der 46-jährige Kanadier löst den glücklosen Olli-Pekka Kallasvuo (57) nach vier Jahren an der Spitze des einstigen Branchenprimus ab. Und soll Finnlands mit Abstand wichtigstes Unternehmen so schnell wie möglich an die Spitze zurückführen. Nokia verkauft zwar mehr Handys als die Verfolger Samsung, LG und Motorola zusammen, doch das Unternehmen verdient mit seinen vor allen Dingen in Schwellenländern beliebten Billighandys nur noch wenig Geld. Gleich zweimal musste Kallasvuo in diesem Jahr eine Gewinnwarnung ausgeben.

Obwohl es Kallsvuo war, der aus dem Handy-Hersteller eine "Internet-Company" machte und sich die Expertise über Zukäufe sicherte, wurde er kurz nach seinem Amtsantritt von dem Erfolg von Apples iPhone überrumpelt. Bis heute ist es Nokia nicht gelungen, ein ebenbürtiges Smartphone auf den Markt zu bringen. Folglich ist der Marktanteil der Finnen bei den überaus rentablen Smartphones von 45 Prozent vor einem Jahr auf nunmehr nur noch 37 Prozent geschrumpft.

Kallasvuo, so sagen selbst seine Befürworter, habe zwar viele Trends frühzeitig erkannt. Doch mit der praktischen Umsetzung habe es nicht geklappt. Ein Beispiel: Zwar erkannte Nokia die Bedeutung von Navigationsdiensten sehr früh und erwarb mit Navteq einen der weltgrößten Hersteller von digitalen Karten, doch ein Massenerfolg für Handy-Navigation stellte sich erst mit den konkurrierenden Google Maps ein. Vergeblich blieb auch der Versuch, mit Ovi den erfolgreichen iTunes-Musik- und App-Store von Apple Paroli zu bieten.

Elop, der fünffache Vater mit dem Kurzhaarschnitt und der randlosen Brille, soll es nun richten. Das Zeug dafür müsste er haben: Elop ist Software-Spezialist, war zuletzt für den größten Microsoft-Bereich, die Business-Sparte mit der Bürosoftware Office, verantwortlich, hat zuvor bei Juniper Networks, Adobe und Macromedia gearbeitet. Erfahrungen aus der Mobilfunkbranche kann er kaum aufweisen. "Sein starker Software-Hintergrund und seine Fähigkeiten, kompetente Teams zusammenzustellen, werden uns bei der Umgestaltung von Nokia sehr helfen", sagte der frühere Nokia-Chef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende Jorma Ollila. Er selbst wolle nach der Einarbeitungsphase von Elop sein Amt zur Verfügung stellen. Damit kann eine neue Ära für den finnischen Konzern beginnen. Analysten begrüßten den Führungswechsel, der Aktienkurs zog an. Jetzt muss Elop nur noch gute Ergebnisse einfahren.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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