Stephen Schwarzman ist Co-Chef der Blackstone Group
Ein Finanzhai ohne Zähne

Als Stephen Schwarzman in diesem Herbst das erste Büro seiner Blackstone Group auf dem europäischen Festland in Hamburg eröffnete, hatte er das richtige Gespür: „Die Repräsentanz zeigt unser Vertrauen in die wachsenden Chancen in Deutschland und Europa“, sagte er damals.

HB NEW YORK. Zwei Monate später hat er bereits drei große Deals in der Tasche: Für gut 1,2 Milliarden Euro kaufte er ein Immobilienpaket der Deutschen Bank; für 500 Millionen Euro übernahm er mit der Investmentfirma Apax die Mehrheit beim Müllentsorger Sulo. Und in dieser Woche folgte das 3,1 Milliarden Euro schwere Angebot für das Chemieunternehmen Celanese.

Während die Investmentbanker an der Wall Street nur von einem Comeback bei Übernahmen und Fusionen träumen, handelt Schwarzman. Obwohl ihn außerhalb der Finanzelite Manhattans kaum jemand kennt, gilt der 56-Jährige als der momentan beste Spieler im weltweiten Übernahmepoker. Er hat mit seinem Partner Pete Peterson ein privates Finanzimperium aufgebaut, das von Kapitalanlagen (Private Equity) über Restrukturierungen bankrotter Unternehmen bis hin zu Immobilien und Hedge-Funds reicht. Das hat ihm den Respekt der Wall Street eingebracht. „Steve ist der Mann, den es zu schlagen gilt“, sagte kürzlich Jimmy Lee, Vice Chairman von JP Morgan, in einem Interview mit der US-Zeitschrift „Fortune“.

Schwarzman, Sohn eines Textilhändlers aus Philadelphia, begann seine berufliche Karriere nach dem Studium in Yale und Harvard bei der New Yorker Investmentboutique Donaldson Lufkin & Jenrette. Kurze Zeit später wechselte er zur Investmentbank Lehman Brothers, wo er mit nur 31 Jahren zum Partner aufstieg. Bei Lehman lernte er den zwanzig Jahre älteren Pete Peterson kennen, mit dem er 1985 die Blackstone Group gründete.

Der als entscheidungsstark geltende Schwarzman wusste bereits damals genau, was er wollte. Sein Vorbild war die Finanzgruppe Kohlberg Kravis Roberts, die mit feindlichen Übernahmen in den 80er-Jahren an der Wall Street für Angst und Schrecken sorgte. Er und Peterson setzten jedoch einen anderen Akzent beim Aufkauf von Unternehmen: Sie verzichteten auf feindliche Übernahmen – ein Finanzhai ohne Zähne sozusagen. Heute ist Blackstone die größte Gruppe für Private Equity weltweit. Zu ihren bekanntesten Deals gehört der Kauf der Automotive-Sparte von TRW für 4,7 Milliarden Dollar.

Das beste Geschäft macht Blackstone derzeit aber mit der Restrukturierung angeschlagener Unternehmen. Namen wie Chiquita und Xerox schmücken die Kundenliste. „Unser größter Fall ist jedoch Enron“, sagt Blackstone-Manager Art Newman. Der Ausverkauf des Energiekonzerns bringt einen dicken Millionenbetrag ein.

Nötig hat Kunstsammler Schwarzman das Geld nicht. Sein privates Vermögen wird auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. Er lebt mit seiner Frau Christine in einem Apartment mit 35 Zimmern an der Park Avenue in New York.

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