Steuer-CD
Bankenverband im Dauerstress

Der Bundesverband deutscher Banken kämpft derzeit an vielen Fronten. Da ist es mehr als ungünstig, wenn die Führungsspitzen noch eine weitere Front abdecken müssen. Genau das bahnt sich an.

DüsseldorfDie neue Steuer-CD aus Luxemburg ist auch für den Bundesverband deutscher Banken ein heikles Thema. Im Zug der Finanzkrise wurde das Image der Geldbranche ohnehin stark ramponiert - nun hat auch noch der Präsident des Bankenverbandes ein Problem: Andreas Schmitz ist hauptberuflich Vorstandssprecher der Düsseldorfer Traditionsbank HSBC Trinkaus.

Genau dieses Haus ist in die Ermittlungen gegen Steuerhinterzieher, die vergangene Woche bekannt wurden, verwickelt. Nach Handelsblatt-Informationen enthält die CD über Luxemburger Kunden der britischen Bank HSBC, die Behörden in Nordrhein-Westfalen angekauft haben, auch Daten über Kunden von HSBC Trinkaus.

Bei vorangegangenen Verfahren über Steuer-CDs knöpften sich die Behörden gleich die Deutschland-Töchter der betroffenen Banken mit vor und ermittelten wegen des Verdachts auf Beihilfe zur Steuerhinterziehung - auch gegen Verantwortliche der Banken. Sowohl die Schweizer Banken Julius Bär und Credit Suisse als auch die liechtensteinische LGT Bank konnten Verurteilungen nur durch millionenschwere Strafzahlungen vermeiden.

Deswegen graut es vielen Bankern davor, den Namen des Chefs ihres Lobbyverbandes im Zusammenhang mit einem Steuerskandal lesen zu müssen. "Verbandspräsident Schmitz schwitzt Blut und Wasser", sagte ein hochrangiger Banker, der seinen Namen nicht nennen wollte.

Mit Schmitz wäre dann die zweite wichtige Personalie des Bankenverbandes zumindest in der Öffentlichkeit angeschlagen. Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer ist in München wegen Untreue angeklagt. Er gehörte zu den federführenden Vorständen der BayernLB, als diese die Hypo Group Alpe Adria übernahm. Mit der Bank erlebte die BayernLB ein Debakel. Den Steuerzahler kostete das Ganze insgesamt 3,7 Milliarden Euro.

Kemmer bestreitet die Vorwürfe, der Verband hat ihm bereits mehrfach das Vertrauen ausgesprochen. Allerdings beginnt es jetzt, wo die Bank von Verbandschef Schmitz wegen der neuen Steueraffäre ins Rampenlicht gerät, heftig zu rumoren. Der Verband sei mit den aktuellen Ereignissen und den Ermittlungen um Kemmer erheblich geschwächt. "Der Bankenverband braucht eine neue Führungsspitze", sagte ein Banker. "Man wird sich die Frage stellen können, ob der Verband personell so ideal vertreten ist", sagte ein anderer Bankmanager.

Fidelius Schmid
Fidelius Schmid
Handelsblatt / Reporter
Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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