Steuer-und Arbeitsrechtsexperte
Hans Mundorf: Streiter für Gerechtigkeit

Hans Mundorf, langjähriger Chefredakteur des Handelsblatts, ist tot. Der Steuer-und Arbeitsrechtsexperte starb kurz vor seinem 80. Geburtstag. Unabhängigkeit war für Mundorf die Kerntugend seines journalistischen Selbstverständnisses. Einblicke in die Welt eines Querdenkers.

DÜSSELDORF. Der achtzigste Geburtstag Hans Mundorfs wäre am 13. Mai 2009 gewesen. Der frühere Chefredakteur des „Industriekuriers“ und des Handelsblatts ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Hans Mundorf liebte kein Aufheben um die eigene Person, hat Auszeichnungen und Ehrungen, die ihm immer wieder angetragen wurden, abgelehnt – bis auf den eisernen Steuergroschen, den ihm der Bund der Steuerzahler verlieh.

Die Nachrufe, die seine Lebensleistung zu würdigen versuchen, würde er mit einem spöttischen Lächeln lesen und mit einem Vierzeiler von Heinz Ehrhardt oder von Wilhelm Busch kommentieren. Sie finden sich in den „Anmerkungen“, den von ihm geschriebenen Kurzkommentaren, Anekdoten, gesammelten oder selbst verfassten Aphorismen, die er stets zum Jahresende einem Freundeskreis schickte. Dort begegnete man Arthur Schopenhauer, Kurt Tucholsky, Heinrich Heine, Theodor Fontane, Johann Peter Hebel, vor allem aber Georg Christoph Lichtenberg, den er für den originellsten deutschen Aphoristiker hielt.

Als Hans Mundorf 1994 aus der Chefredaktion des Handelsblatts ausschied, verlagerte er sein Büro in die eigene Wohnung, arbeitete bis 2003 von dort aus als Chefkolumnist und später als rechtspolitischer Autor für die Zeitung, deren Profil er über Jahrzehnte geprägt hatte. Der Journalismus war dem glänzenden Schreiber zur Passion geworden. Er war ein Schnell- und Querdenker, schöpfte aus einem reichen Fundus an wirtschaftswissenschaftlichem, aber auch an literarischem Wissen und aus den Erfahrungen, die er gemacht hatte.

Gegenüber den Mächtigen war er respektlos und widerstand ihren Pressionen, wie etwa, als er für ein weder durch Kartelle noch durch marktbeherrschende Stellungen verfälschtes Wettbewerbsrecht eintrat. Unabhängigkeit war für ihn die Kerntugend seines journalistischen Selbstverständnisses. Er ließ sich von niemandem vereinnahmen, buhlte nicht um Anerkennung und ertrug Ablehnung und Kritik, zum Beispiel als er wieder einmal die tarifpolitischen Rituale zur Farce werden ließ, weil er den Abschluss fast bis auf die Stelle hinter dem Komma genau voraussagte.

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