Steueraffäre
Ex-Postchef Zumwinkel wird angeklagt

Möglicherweise schon am Freitag wird Klaus Zumwinkel die Klageschrift zugestellt, wie das Handelsblatt erfahren hat. Er wird wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Damit landet einer der einst profiliertesten deutschen Manager vor Gericht.

DÜSSELDORF. Ex-Postchef Klaus Zumwinkel wird wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Dies bestätigte Eduard Güroff, Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft. Wie das Handelsblatt unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Kreise berichtet, wird Zumwinkel möglicherweise schon am Freitag, spätestens aber nächste Woche die Klageschrift zugestellt. Zumwinkel steht im Verdacht, Millionen am Fiskus vorbei in liechtensteinischen Stiftungen versteckt zu haben.

Am 14. Februar waren Steuerfahner bei Zumwinkels Kölner Villa vorgefahren - und hatten sein Büro im Post-Tower durchsucht. Der Manager kommt nach einem Verhör wieder auf freien Fuß. Behördenangaben zufolge hatte er sich zu den Vorwürfen geäußert und eine "Sicherheitsleistung in nicht unerheblicher Höhe" angeboten.

Bereits einen Tag später zieht der einst glänzende Postchef die Konsequenzen: Er bietet seinen Rücktritt an. Bundeskanzlerin Merkel nennt den Schritt unvermeidbar. Der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück wird sagt: "Diese Entscheidung von Herrn Zumwinkel trifft die volle Unterstützung der Bundesregierung." Auf die Frage, ob die Vorwürfe der Steuerhinterziehung gegen Zumwinkel zutreffen, sagte der Sprecher: "Wir haben den Eindruck, Herr Zumwinkel geht davon aus."

Ende des Monates ist es soweit: Nach 18 Jahren an der Spitze der Post verabschiedet such Zumwinkel von seinen Mitarbeitern und tritt ab. Er zieht sich auch von dem Posten als Aufsichtsratschef der Deutschen Postbank zurück. Zumwinkel erhält keine Abfindung und auch kein weiteres Gehalt. Mit seiner Entscheidung, sein Amt vorzeitig niederzulegen, verliert er schätzungsweise deutlich mehr als eine Million Euro. Ihm folgt Frank Appel, der den Chefposten der Deutschen Post übernimmt.

In den 18 Jahren, in denen Zumwinkel an der Spitze der Post steht, hat er den Staatsbetrieb in einen weltweit agierenden Logistikkonzern umgebaut. Kein Chef eines deutschen Dax-Unternehmens hat sich länger an der Konzernspitze gehalten. Zumwinkel gilt als einer der profiliertesten deutschen Unternehmensführer mit exzellenten Kontakten in Wirtschaft und Politik.

Stichwort Liechtensteiner Steueraffäre: Neben Zumwinkel ermittelt die Bochumer Steuerfahnung gegen hunderte von Verdächtige - Zumwinkel gilt allerdings als prominentester Name, der letztlich über die Affäre stolpert. Mit Hilfe gestohlener Bank-Daten aus Liechtenstein kommen deutsche Steuerfahnder seit Februar 2008 nämlich einem Hinterziehungsskandal von historischem Ausmaß auf die Spur. Dieser mündet letztlich in einer Razziawelle gegen deutsche Steuersünder - bei der sich dann Liechtenstein und Deutschland gegenseitig schwere Vorwürfe machen und Zumwinkel in weiten Teilen der Öffentlichkeit zum Sinnbild für gierige Manager wird.

Nun der Prozess: Dieser wird vor der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts Bochum unter Vorsitz von Richter Wolfgang Mittrup stattfinden, berichtet das Handelsblatt weiter. Im Vorfeld des Prozesses habe es Gespräche zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung gegeben, wonach Zumwinkel gegen Mithilfe bei der Aufklärung eine Bewährungsstrafe erhalten könnte, hieß es in den Kreisen. Die Justiz wollte die Informationen nicht bestätigen. Für Freitag wurde jedoch eine Pressemitteilung angekündigt. Zumwinkels Verteidiger wollten sich nicht äußern.

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