Steuerliche Spielräume erweitern sich
Rechtsanwälte vernachlässigen Altersvorsorge

Mit dem neuen Alterseinkünftegesetz wird sich ab Januar 2005 auch für die Alterversorgung der deutschen Rechtsanwälte einiges ändern. Doch obwohl Advokaten gemeinhin als versiert gelten, Gesetzesänderungen frühzeitig zu erkennen und anzuwenden, sind sie in eigenen Belangen äußerst nachlässig. "Auch Anwälte leben immer länger und wollen im Alter gut versorgt sein", sagt Rentenexperte Peter Doetsch, selbst Anwalt. "Trotzdem meinen viele: Altersvorsorge, das betrifft uns nicht."

HB BERLIN. Dabei geht es um nichts weniger, als Bares: Nach dem Jahreswechsel werden - wie andere Renten auch - die Altersbezüge der berufsständigen Versorgungswerke nachgelagert besteuert, also im Zeitpunkt der Auszahlung. Die Beiträge bleiben dafür unbesteuert.

Gleichzeitig erweitern sich aber damit auch die aktuellen steuerlichen Spielräume zur besseren Altervorsorge. Dass die Einkünfte eines Advokaten im Ruhestand vom Finanzamt angeknabbert werden, bringt den Zunftvertretern nämlich weniger Nachteile im Alter als vielmehr mehr Vorteile beim heutigen Verdienst ein. "Tatsächlich wird sich die Neuregelung für die aktiven Mitglieder berufsständischer Versorgungswerke um so vorteilhafter auswirken, je jünger ein Anwalt ist", heißt es beim Rechtsanwaltsversorgungswerk Nordrhein-Westfalen.

Und das kommt so: Ab 2005 können jährlich 12 000 Euro, später dann sogar 20 000 Euro des heutigen Einkommens steuerfrei gestellt werden. Für Anwälte, die häufig den Spitzensteuersatz zahlen, ist das ein wahrer Segen. Die spätere Besteuerung der Rente wiegt für sie nämlich weniger schwer. Ab 65 gibt es für die meisten unter den Rechtsvertretern weniger Einkommen und damit ist auch weniger Steuer zu zahlen.

Nur scheinen die meisten Anwälte diese Vorteile ungenutzt verstreichen zu lassen. Der durchschnittliche Monatsbeitrag des nordrhein-westfälischen Versorgungswerks liegt derzeit bei jährlich um die 8 000 Euro - also unter der künftigen Freigrenze von 12 000 Euro. Den verbleibenden Teil der Steuerersparnis könnte also gut genutzt werden, um eine zusätzliche Altersvorsorge aufzubauen und die Risiken der Altersabsicherung besser zu verteilen.

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