Steve Ballmer verlässt Microsoft
Abtritt einer Legende

Als Steve Ballmer den CEO-Posten bei Microsoft abgab, aber im Aufsichtsrat blieb, fürchteten manche eine Konfrontation zwischen alter und neuer Führung. Nun geht er ganz - lässt sich aber ein Mitsprache-Türchen offen.
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San Francisco
Das ging schnell: Sechs Monate nach seinem Rücktritt als CEO im Februar verlässt Steve Ballmer jetzt auch den Aufsichtsrat von Microsoft – mit sofortiger Wirkung. Damit ist die Ära Ballmer bei Microsoft in Redmond beendet. 14 Jahre lang hat er als Vorstandschef die Geschicke geleitet, nun sind die letzten offiziellen Bindungen gekappt.

Der enge Vertraute von Bill Gates ist heute größter Einzelaktionär von Microsoft noch vor dem Mitgründer. Er will nach seinem Ausstieg weiter als „engagierter Aktionär“ auftreten und für „die absehbare Zukunft“ an seinen Aktien festhalten. Für den neuen CEO Satya Nadella ist das ein zweischneidiges Schwert.

Doch zunächst einmal ist Ballmer anderweitig eingebunden. Die Rettung Microsofts vor Google und Apple hat unter Ballmers Ägide nicht geklappt, aber vielleicht schafft er ja die Rettung seines neuen Rentner-Hobbys, des Basketball-Clubs LA Clippers. Rund zwei Milliarden Dollar hat er für den von Rassismus-Vorwürfen schwer geschlagenen Verein hingelegt.

Seit der frühere Eigner Donald Sterling durch rassistische Äußerungen in Ungnade gefallen war, drohten die Sponsoren davonzulaufen. Sterling selbst wollte einer Aufforderung des Basketball-Verbandes NBA, den Club zu verkaufen, zunächst nicht nachkommen. Dann gab er klein bei - und Ballmer kam als Interessent mit dem höchsten Gebot zum Zug.

Jetzt tobt er wieder über die Bühne wie zu besten Microsoft-Zeiten. Hemdsärmelig und enthusiastisch hatte er sich am Montag in Los Angeles auf einer Fan-Party vor Fans und Mannschaft als neuer Eigentümer präsentiert: Er wütete im legendären Ballmer-Galopp von einem Ende der Bühne zum anderen, feuerte sich und den Saal an.

Ballmer ändert sein Leben

Er will die dunklen Zeiten vergessen machen, die Weste des Vereins wieder reinwaschen. Er ist wieder in seiner Welt - und hat eine echte Aufgabe. Die Clippers seien „eine fantastische Anlage“, gab er im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg zu Protokoll. Für nur zwei Milliarden Dollar habe er einen Club erworben, der „Geld verdiene“. Er kenne Start-Ups, ulkt er, die mit „150 Millionen Dollar bewertet werden und nichts verdienen“.

In seinem Rücktrittsschreiben an den neuen CEO Satya Nadella begründet Ballmer den Rücktritt mit Überlegungen über sein weiteres Leben nach Microsoft. Er habe sich bis zu seinem letzten Arbeitstag kaum Gedanken darüber gemacht, räumt er ein. Innerhalb von sechs Monaten habe sich alles grundsätzlich geändert, neben den Clippers, denen er sich mit aller Kraft widmen werde, wolle er einen Lehrauftrag annehmen, mehr für die Gemeinschaft tun und nicht zuletzt mehr Zeit für sich selbst haben.

Ballmer hat allerdings nun alle Hände voll damit zu tun, sich in das neue Geschäft einzuarbeiten: Im Herbst beginnt bereits die nächste Saison für die Clippers. Bei seinem Auftritt am Montag stellte er klar, er wolle ein „engagierter Club-Eigner“ sein, so wie ein „engagierter Aktionär“ eben.

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  • Überfällig. Totalausfall als Manager. Hat absolut NICHTS hinbekommen.

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