Stifter
Die rote Zora

Eine Karriere im Kaufhauskonzern ihres Vaters blieb Helga Breuninger verwehrt. Sie arbeitet in der Stuttgarter Bürgerstiftung und führt die Breuninger-Stiftung – und schaut dahin, wo kaum jemand hinschauen mag. Helga Breuninger hilft Menschen, die in der Gesellschaft scheitern.

STUTTGART. Sie sitzt in der ersten Reihe. Immer wieder blättert sie in ihren Unterlagen, um sich vor dem Auftritt zu beruhigen. Dann steht die elegant gekleidete Frau auf und steigt mit ruhigen, aber bestimmten Schritten auf die Bühne. Am Mikrofon ist alle Nervosität verflogen.

„Es ist sicher nicht so angenehm, was sie jetzt zu sehen bekommen“, sagt Helga Breuninger. „Haben Sie aber keine Angst, wenn Sie diesen Film anschauen. Lassen Sie sich einfach nur berühren, dann gibt er Kraft“, empfiehlt sie in ihrer Laudatio für den Preisträger der Stuttgarter Bürgerstiftung.

Die zierliche Frau mit den roten Haaren verspricht nicht zu wenig. Im Film zündet eine Gruppe von Menschen nacheinander Kerzen an. „Für meinen Pappi“, sagt ein siebenjähriges Mädchen, „für Mami“, ein Junge. Eine Frau erzählt, wie sie ihr Kind verloren hat und wie sie danach in ein Loch fiel. Erst bei der Gruppe „Unterm Regenbogen“ – einer Eltern-Kind-Trauergruppe im Stuttgarter Hospiz – habe sie Halt gefunden.

Am Ende des Films ist es still. Manche der 450 geladenen Gäste im Foyer der Landesbank-Baden-Württemberg haben feuchte Augen. Aber dann machen sie sich mit einem befreienden Applaus Luft. Helga Breuninger hat das Publikum erreicht.

Alter, Sterben, Trauer ist der Dreiklang, bei dem die promovierte Psychologin die meisten Defizite in der Gesellschaft sieht. Hier will sie helfen. Deshalb arbeitet sie in der Stuttgarter Bürgerstiftung. Deshalb führt sie die von ihr und ihrem Vater, dem süddeutschen Kaufhaus-König, gegründete Breuninger-Stiftung, die jährlich einen nicht genannten Millionenbetrag für die „Bewältigung von Herausforderungen unserer Zeit“ ausgibt.

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