Stiftungen
Unternehmen lagern die guten Taten aus

Trotz Krise unterstützen viele Firmen ehrenamtliches Engagement durch ihre Stiftungen. Mehr als 1 500 der 16 000 deutschen Stiftungen sind „unternehmensnah“ konstruiert. Mit der klaren Trennung können sich die Firmen vom Verdacht indirekter Werbung befreien - und trotzdem erkennbar bleiben.

KÖLN. Beim Begriff „Corporate“ ist Stephanie Abke streng. Die Bezeichnung Corporate-Social- Responsibility lehnt die Chefin der EWE-Stiftung des gleichnamigen Oldenburger Energieversorgers als Oberbegriff für ihre Einrichtung ab. „Corporate bezieht sich auf das Unternehmen“, sagt sie. Und von diesem will sie unabhängig sein. Denn die Stiftung soll gar nicht erst in Verdacht kommen, unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit für EWE zu werben.

Das gilt für fast alle dieser Einrichtungen. Unternehmensstiftungen wie die von EWE, in denen Firmen ihre gemeinnützigen Aktivitäten, auch CSR genannt, zumindest teilweise bündeln und auslagern, liegen im Trend. Auch wenn sie nicht unproblematisch sind. „In den letzten 20 Jahren ist ihre Zahl stark gewachsen“, sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Mehr als 1 500 der 16 000 deutschen Stiftungen sind „unternehmensnah“ konstruiert: Sie halten Anteile an Unternehmen, wie die Körber-Stiftung, oder wurden von einem Unternehmer gegründet, wie die Zeit-Stiftung von Gerd Bucerius.

Etwa 500 unternehmensnahe Stiftungen werden direkt aus Firmenvermögen finanziert und arbeiten zumindest teilweise als Plattform, an die Unternehmen ihre gemeinnützigen Aktivitäten auslagern; etwa die Deutschen Bank, Schering oder die Deutschen Telekom. Unternehmensstiftungen gehören zu den reichsten des Landes: 17 Prozent von ihnen verfügen über einen Kapitalstock zwischen zehn und 100 Millionen Euro.

Häufig ist ein Firmenjubiläum Anlass für die Gründung. „Man will die gesellschaftliche Verantwortung unabhängiger von jährlichen wirtschaftlichen Ergebnissen machen“, erklärt Verbandschef Fleisch. „Und natürlich erhoffen sich Unternehmen einen positiven Imagetransfer von der Stiftung.“ Kunden und Öffentlichkeit nehmen das gesellschaftliche Engagement einer Unternehmensstiftung meist ernster als die CSR-Bemühungen des Unternehmens selbst.

Allerdings nur, wenn die Trennung zwischen beiden klar ist. Deswegen gibt es im Falle von EWE zum Beispiel auch beim Logo keine Gemeinsamkeiten zwischen Stiftung und Unternehmen. Das erhöhe die Glaubwürdigkeit, sagt Stiftungschefin Abke.

„Unternehmensstiftungen erlauben ein Engagement, das vom Verdacht indirekter Werbung befreit ist“, bestätigt Fabian Brandt, Geschäftsführer der PR- und Strategieberatung Fischer-Appelt Profiling, die sich auf CSR-Themen spezialisiert hat und immer häufiger mit CSR-Stiftungen zu tun hat. „Unternehmensstiftungen müssen nicht unbedingt den größtmöglichen Abstand zum Unternehmen suchen“, meint CSR-Experte Frank Trümper von Common Purpose. „Sondern sie müssen genauso versuchen, ins Unternehmen hineinzuwirken.“

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