Stora Ensos
Karvinen räumt beim Papier-Riesen radikal auf

Jouko Karvinen hatte bis vor kurzem noch keine Ahnung von der Papierindustrie. Doch dem Aufsichtsrat von Stora Enso, Europas größtem Konzern der Forst- und Papierindustrie, war das nicht wichtig. Das finnisch-schwedische Unternehmen suchte vor einem Jahr einen internationalen Manager mit gutem Gespür für Innovationen und einen guten Sanierer.

DÜSSELDORF. Peinlich war Jouko Karvinen sein Unwissen das nicht. Im Gegenteil. Er hat es sogar freundlich allen erzählt. Das sollte Selbstbewusstsein ausstrahlen. Doch bei den Mitarbeitern von Stora Enso kam das nicht gut an. Ihnen wäre ein Mann vom Fach lieber gewesen, wo es der Branche doch so schlecht geht.

Doch der Aufsichtsrat wählte ihn wegen seiner Sanierungskompetenz. Und das Metier beherrscht Karvinen offensichtlich gut. Seit März ist der 50-jährige Jouko Karvinen am Ruder und räumt auf. Erst macht er aus vier Geschäftsbereichen acht, dann krempelt er den Vorstand um. Und nun verkauft er die US-Tochter Stora Enso North America. „Man kann nicht in jeder Sportart gewinnen“, sagt er dazu nur lapidar.

Wie ein Arbeitswütiger, dem nichts schnell genug geht und der vor Wut alle paar Minuten Papier zusammenknüllt und wegwirft, wirkt Karvinen zunächst nicht. Mit schütterem Haar, rundem Gesicht und Lachfalten um freundliche Augen hinter kleinen Brillengläsern könnte man dem groß gewachsenen Familienvater zweier Kinder auch zutrauen, der nette Kundenberater zu sein, den man sich in der Bankfiliale um die Ecke wünscht. „Karvinen kann führen“, sagt Claes Dahlbäck, Aufsichtsratsvorsitzender von Stora Enso. Seine Fähigkeiten als kühler Restrukturierer werden auch von Marktbeobachtern gerühmt und gefürchtet. Seine Kollegen meinen zwar, dass er durchaus „ein freundlicher Mann“ sei. Doch manche Papierexperten beurteilen ihn als „typisch harten Finnen“.

Ein Papiertiger ist Karvinen sicher nicht. Er ist Durchstarter und hat Erfolge vorzuweisen: In Helsinki geboren, machte er in Tampere an der Technischen Universität mit 25 Jahren sein Ingenieurdiplom und beginnt eine Karriere, in der er acht Mal die Position und/oder den Arbeitgeber wechselt. Im Oktober 2002 geht er als Chef der Automatisierungstechnik beim Elektrotechnik- und Anlagenbaukonzern ABB zum niederländischen Elektronikmulti Philips und übernimmt dort die Leitung von Medical Systems. Schnell fädelt er vier Akquisitionen in den USA ein. Die Medizintechnik wird das wesentliche Wachstumsfeld bei Philips, das im Jahr 2005 rund 6,3 Milliarden Euro umsetzt.

Nun führt er Stora Enso, erstmals einen ganzen Konzern: mit 14,6 Milliarden Euro Umsatz und 44 000 Mitarbeitern in 40 Ländern. Stora Enso hat seinen Hauptsitz in Helsinki. Der Chef aber steuert den Konzern von London aus. Karvinen soll das Firmendickicht auslichten, das der ironisch „Waldkönig“ genannte Vorgänger Jukka Härmälä zusammengekauft hat. Härmälä war 18 Jahre Chef des Konzerns. Er war es, der Europas größtem Papierunternehmen die heutige Gestalt gab: 1998 schloss sich die schwedische Stora, die zuvor die deutsche Feldmühle Nobel gekauft hatte, mit der finnischen Enso zusammen.

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