Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner
Der Baulöwe

Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner will die Launen des Kapitalmarkts und seine eigenen wieder zusammenführen. Sein Ziel: die Nummer eins in Europa werden.

WIEN. Aufzüge sind immer irgendwie eng. Plaudern will in diesen auf- oder abwärts sausenden Kabinen auch niemand wirklich. Und der Mitarbeiter, der im neunten Stock des Strabag-Towers in der Wiener Donau-City auf dem Weg nach unten zusteigt, will heute einfach nur nach Hause. Er bleibt stumm. „,Grüß Gott’ sagt man bei uns“, dröhnt Hans-Peter Haselsteiner ihn an. „Grüß Gott“ murmelt der Angesprochene pflichtschuldig und fühlt: Haselsteiners Selbstbewusstsein macht die schmale Kabine noch ein bisschen enger. Der Strabag-Chef mag viele Qualitäten haben, Zurückhaltung gehört nicht dazu.

Mit Zurückhaltung pur hätte es der 63-Jährige allerdings vermutlich auch nicht geschafft, ausgerechnet in Österreich, wo die nächste Grenze nie weit und die Politik jedem Unternehmer stets zu dicht auf den Fersen ist, einen der größten Baukonzerne Europas zu formen. 53 000 Mitarbeiter sagen „Chef“ zu ihm, die meisten davon in Deutschland, wo er bislang zwei Coups gelandet hat: 1998, als er die Strabag in Köln in sein Imperium holte und vor zwei Jahren, als er einen Großteil der Firmen aus der Insolvenzmasse der Walter Bau kaufte. Zehn Milliarden Euro Bauleistung lautet noch so eine Zahl, mit der sich Haselsteiner in der Riege der europäischen Baulöwen sehen lassen kann. „Ich will“, sagt er und lässt damit wieder so einen Satz fallen, für den jeder Lift viel zu klein wäre, „die Nummer eins in Europa werden.“

Um genügend Bares für die hochfliegenden Pläne auf dem Konto zu haben, führt Haselsteiner „in diesem Jahr“ wie es offiziell heißt, seinen Konzern mal wieder an die Börse. Er war schon mal dort, organisierte dann aber den Rückzug, weil seine Launen und die des Kapitalmarkts nicht immer in Einklang zu bringen waren. „Bis zum Sommer kommt der Börsengang“, wird von Analysten hinzugefügt, von denen allerdings viele kaum noch etwas sagen dürfen, weil ihr Arbeitgeber den Börsengang begleitet. Haselsteiner hat sie alle im Boot. Er hasst nichts mehr als Querschläger.

Querschläger, wie jenen Herrn Lenz aus Stuttgart, der ihm partout nicht seinen Anteil an der Baufirma Züblin verkaufen will. „Herr Lenz kommt mir langsam vor wie ein Mann in einem Ruderboot, der mit einer Walther-PPK-Pistole eine vorbeirauschende Fregatte beschießt und nicht merkt, dass er in ihrem Kielwasser untergeht“, sagt Haselsteiner und freut sich über seine Formulierungskunst.

Keine Frage: Haselsteiner hat einen ausgeprägten Machtinstinkt. Die Strabag: Das ist er, jedenfalls nach außen. Ein Mann, der Gelegenheiten nicht ungenutzt verstreichen lässt – dieser Beschreibung dürfte auch der Sohn einer Lehrerin aus Tirol zustimmen. Einst studierte er Ökonomie, wurde Steuerberater und lernte eine Bauunternehmerstochter aus Kärnten kennen. Die beiden heirateten und Haselsteiner übernahm nach dem Tod des Schwiegervaters die Leitung der Baufirma. 1977 kaufte er das insolvente Kärtner Bauunternehmen Soravia. Zehn Jahre später gründete er seine Bauholding.

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