Strabag und Rusal
Oleg Deripaska: Zu hoch gepokert

Kaum einer hat in den vergangenen Jahren Firmen gesammelt wie der Russe Oleg Deripaska. Mehr als 20 Milliarden Dollar Schulden hat der Oligarch dafür angehäuft. Seit der Finanzkrise kämpft der 41-Jährige aber um sein Pump-Imperium und muss sich nun von einem Anteil am österreichischen Baukonzern Strabag trennen.

MOSKAU. Er hat es doch immer gesagt: kurz und trocken, wie der hagere, studierte Physiker so eben ist. Gerade erst hat das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ Oleg Deripaska zum reichsten Mann Russlands gekürt mit einem Vermögen von 28 Milliarden Dollar, da will er vor Journalisten ein paar Dinge zu seinem sagenhaften Reichtum klarstellen: „Das stimmt alles nicht“, sagt er knapp. Die Zeitschrift zähle nur die Vermögenswerte, aber nicht die Verbindlichkeiten. Sein Konzern sei ja nicht an der Börse gelistet – und daher sei es schwierig, eine Basis für die Bewertung zu finden. „Es gibt Reichere als mich.“

Das war vor einem Jahr. Nun offenbart die Finanzkrise, dass dies so ist: Das russische Magazin „Finans“ bewertet sein Vermögen jetzt nur noch mit 4,9 Milliarden Dollar. Seine Holding soll mehr als 20 Milliarden Dollar Schulden aufgetürmt haben.

Kaum einer hat in den vergangenen Jahren Firmen gesammelt wie der heute 41-Jährige. Allein 2007 stieg der Gesamtwert seiner Aktiva um das Zweieinhalbfache: Er beschäftigt über seine Holding Basic Element 300 000 Mitarbeiter in der Aluminiumproduktion, der Autoindustrie, bei Banken, Versicherungen, im Flugsektor, Baugeschäft und in der Energieproduktion. Die für seine Einkaufstour benötigten Kredite hat Deripaska allerdings mit Aktien besichert.

Seit dem Verfall der Börsenkurse muss er nun ums Pump-Imperium kämpfen. Heute wird sich erweisen, ob er zumindest einen Teilerfolg erzielen kann. Denn nachdem sich Deripaska bereits von seinen Beteiligungen am deutschen Baukonzern Hochtief und dem kanadischen Autozulieferer Magna trennen musste, wackelt nun sein 25-Prozent-Paket an der österreichischen Strabag. Schon im vergangenen Herbst stand die Beteiligung auf der Kippe, doch die Raiffeisen-Gruppe und Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner sprangen dem bedrängten Oligarchen mit einem Kredit über 500 Millionen Dollar bei. Der ist jetzt fällig.

In Wien wird nun vermutet, dass sich Deripaska nur von einem Teil seiner Strabag-Aktien trennen muss. Denn vor allem Haselsteiner will Deripaska als Aktionär behalten, um einen wichtigen Fürsprecher für neue Aufträge in Russland zu haben.

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